Bauklötze ab wann? Was Kinder in welchem Monat damit tun
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Woher die Monatszahlen stammen und was diese Seite nicht leistet
Ein Jahr auf dem Teppich: was mit drei Klötzen passiert
Bleiben wir bei dem Kind auf dem Teppich, und spulen wir zurück. Mit sechs Monaten hätte es nach dem Klotz gegriffen, ihn in den Mund gesteckt und fallen gelassen. Mit neun Monaten hätte es zwei Klötze gegeneinandergeschlagen und gehört, wie Holz auf Holz klingt. Mit einem Jahr hätte es einen Klotz in die Schüssel gelegt, ihn wieder herausgeholt und dasselbe zwanzig Mal wiederholt. Und irgendwann zwischen dem ersten und dem zweiten Geburtstag liegt der erste Klotz auf dem zweiten und bleibt dort.
Diese Reihenfolge ist keine Erfindung für eine schöne Geschichte. Sie steht, Schritt für Schritt, in den Meilenstein-Listen der CDC, die für jedes Alter aufzählen, was die meisten Kinder bis dahin können. Greifen nach einem Spielzeug steht in der Liste für sechs Monate, das Gegeneinanderschlagen zweier Dinge in der für neun, ein Klotz in einem Becher in der für ein Jahr, zwei gestapelte Gegenstände in der für 15 Monate.
Das deutsche Gesundheitsportal des BIÖG beschreibt denselben Übergang aus der Sicht des Spielzeugkaufs: Mit einem Jahr wisse ein Kind meist noch nichts mit Bauklötzen anzufangen und räume lieber Schubladen und Behälter ein und aus. Ein halbes Jahr später baue es wahrscheinlich aus allem, was sich stapeln lässt, Türme. Beide Quellen sagen also dasselbe: Bauklötze sind im ersten Lebensjahr Greif- und Räumspielzeug und werden erst im zweiten zu Baumaterial.
Was keine der Quellen sagt, ist, an welchem Tag das passiert. Genannt wird ein Alter, bis zu dem die meisten Kinder etwas können, nicht ein Alter, ab dem alle es können. Das Kind auf dem Teppich mit seinen vierzehn Monaten, dessen dritter Klotz herunterrutscht, ist nach diesen Listen weder früh noch spät. Es ist mitten in dem Zeitraum, in dem sich das Stapeln entwickelt.
Zwei Uhren: die Entwicklung und die Packung
Wer „bauklötze ab wann“ fragt, bekommt zwei Arten von Antworten, die oft verwechselt werden. Eine kommt aus der Entwicklung: Was tut ein Kind in welchem Alter mit einem Klotz? Eine zweite steht auf der Packung: Ab welchem Alter gibt der Hersteller das Set frei? Auf dieselbe Achse gelegt sind beide in der Grafik, damit sichtbar wird, wo sie sich berühren und wo nicht.
Blau ist, was die CDC für jedes Alter nennt. Sie enden bei dem Alter, bis zu dem drei von vier Kindern die Fähigkeit zeigen. Grün sind die Angaben des BIÖG: eine Spanne für das freie Gehen, die zeigt, wie breit solche Zeiträume sind, und der Hinweis auf Türme ein halbes Jahr nach dem ersten Geburtstag.
Rot sind die Angaben von der Packung. Alle fünf Holzklotz-Sets aus unserem Vergleich nennen 12 Monate, Kapla nennt zwei verschiedene Werte, alle Magnetplatten 36 Monate, und bei 36 Monaten liegt auch die Grenze, unter der Spielzeug nach der Richtlinie keine verschluckbaren Teile haben darf. Um wenige runde Zahlen gruppieren sich die Packungsangaben; die Entwicklung verteilt sich über die ganze Achse. Das ist der wichtigste Befund der Grafik: Die beiden Uhren gehen nicht im selben Takt.
Bis sechs Monate: greifen, was man haben will
In der Liste der CDC für sechs Monate steht unter den Bewegungsmeilensteinen ein Satz, der für Bauklötze der Anfang von allem ist: Das Kind greift nach einem Spielzeug, das es haben will. Daneben steht, dass es sich beim Sitzen auf den Händen abstützt. Ein Klotz ist in diesem Alter ein Gegenstand wie jeder andere, den man ergreift, betrachtet, in den Mund steckt und fallen lässt.
Mit Bauen haben die Spieltipps der CDC für dieses Alter nichts zu tun. Eltern sollen Spielzeug knapp außer Reichweite legen, damit sich das Kind dreht, um es zu erreichen, und ein heruntergefallenes Spielzeug aufheben und zurückgeben, weil das Spiel Ursache und Wirkung lehre. Ein Klotz, der vom Hochstuhl fällt und von einem Erwachsenen zurückgelegt wird, ist in diesem Sinne schon ein Lernspielzeug, ohne dass er auf einem anderen liegen müsste.
Was das für den Kauf heißt: Ein Kind von sechs Monaten braucht keine Bauklötze. Ohnehin sind die Holzklotz-Sets aus unserem Vergleich erst ab 12 Monaten freigegeben. Wer früher etwas zum Greifen anbieten will, wählt Spielzeug, das ausdrücklich für dieses Alter gedacht ist; nach der Spielzeugrichtlinie darf solches Spielzeug für die Jüngsten keine Teile haben, die sich verschlucken oder einatmen lassen.
Bis neun Monate: zwei Klötze gegeneinander
Für neun Monate nennt die CDC zwei Fähigkeiten, die das Spiel mit Klötzen verändern. Das Kind schlägt zwei Dinge gegeneinander, und es nimmt Gegenstände von einer Hand in die andere. Damit hat es zum ersten Mal zwei Klötze gleichzeitig unter Kontrolle, einen in jeder Hand, und entdeckt, dass sie zusammen ein Geräusch machen.
Unter den Spieltipps für dieses Alter steht einer, der fast wörtlich die Szene vom Teppich beschreibt: Mit dem Baby spielen, indem man Klötze aus einem Behälter kippt und gemeinsam wieder hineinlegt. Ein zweiter Tipp empfiehlt Spiele mit abwechselnden Zügen, etwa ein Spielzeug hin und her zu reichen. Beides braucht keine Baukunst, aber es braucht Klötze, die sich gut greifen lassen und laut genug klingen, um interessant zu sein.
In diesem Alter stehen in derselben Liste auch Meilensteine, die mit dem Gegenstand verbunden sind: Das Kind sucht nach Dingen, die außer Sicht gefallen sind, etwa nach seinem Löffel oder Spielzeug. Wer einen Klotz unter ein Tuch legt und das Kind ihn suchen lässt, spielt das Spiel, das die CDC für dieses Alter vorschlägt. Bauen im eigentlichen Sinn ist das noch nicht, aber es ist der Umgang mit Gegenständen, aus dem das Bauen später wächst.
Bis zwölf Monate: der Klotz im Becher
In der Liste für ein Jahr steht der erste Meilenstein, in dem ausdrücklich ein Klotz vorkommt: Das Kind legt etwas in einen Behälter, zum Beispiel einen Klotz in einen Becher. Daneben steht eine feinmotorische Fähigkeit, die für das spätere Stapeln wichtig ist: Es hebt Dinge zwischen Daumen und Zeigefinger auf, etwa kleine Essensstücke.
Der Klotz im Becher ist mehr als ein Spiel mit Behältern. Ein Kind, das einen Gegenstand gezielt an einer Stelle ablegt und loslässt, hat das gelernt, was es zum Stapeln braucht: an einem bestimmten Ort loslassen. Der Unterschied zum Turm ist nur, dass der zweite Klotz nicht in einen Becher fällt, sondern auf einer Fläche liegen bleiben muss, die nicht größer ist als er selbst.
Das BIÖG beschreibt dieses Alter aus Sicht der Eltern etwas anders: Mit einem Jahr wisse ein Kind mit Bauklötzen meist noch nichts anzufangen und räume stattdessen mit Vorliebe Schubladen und andere Behältnisse ein und aus. Beides passt zusammen. Ein Kind, das Schubladen ausräumt, übt dasselbe wie eines, das Klötze in einen Becher legt: greifen, tragen, loslassen.
Zum ersten Geburtstag schenken viele Familien deshalb kein Bauset, sondern ein Set, das sich auch ein- und ausräumen lässt. Geliefert werden die meisten Holzklotz-Sets in einer Box oder einem Eimer; bei einigen ist der Deckel ein Sortierdeckel mit Formen. Bei allen Sets unseres Vergleichs liegt die Altersangabe bei 12 Monaten, also genau an der Stelle, an der das Spiel mit Behältern beginnt.
Bis 15 Monate: zwei Klötze übereinander
Der Meilenstein, nach dem die meisten Eltern suchen, steht in der Liste für 15 Monate: Das Kind stapelt mindestens zwei kleine Gegenstände, etwa Klötze. Das klingt nach wenig, zwei Klötze sind kein Turm. Für die Hand eines Kleinkinds ist es aber eine Leistung: den oberen Klotz genau über dem unteren loslassen, ohne den unteren anzustoßen, und ruhig genug, dass beide stehen bleiben.
Dieser Meilenstein ist neu. In der Studie, mit der die Listen 2022 überarbeitet wurden, steht er in der Tabelle für 15 Monate mit dem Vermerk, er sei neu aufgenommen, und als Grundlage für die Altersangabe sind Normdaten aus einem Test zur visuell-motorischen Integration genannt. Eine Liste für 15 Monate gab es vorher gar nicht; die Überarbeitung hat sie zusammen mit einer für 30 Monate ergänzt.
Dazu gibt die CDC einen Spieltipp, der Eltern entlasten kann: Ermutigen Sie Ihr Kind, mit Klötzen zu spielen. Sie können die Klötze stapeln, und das Kind kann sie umwerfen. Das Umwerfen ist also ausdrücklich Teil des Spiels und kein Zeichen dafür, dass das Kind das Bauen nicht versteht. Ein Kind, das einen Turm umwirft, lernt, was mit einem Turm passiert, und baut den nächsten mit diesem Wissen.
Was „bis 15 Monate“ bedeutet, steht im nächsten Abschnitt ausführlich: Drei von vier Kindern können es dann, eines von vier noch nicht. Das Kind auf dem Teppich mit seinen vierzehn Monaten, dessen dritter Klotz herunterrutscht, liegt also genau im Bereich, für den der Meilenstein gedacht ist.
Ein halbes Jahr später: Türme aus allem, was sich stapeln lässt
Zwischen 15 Monaten und zwei Jahren nennt die CDC keinen weiteren Meilenstein, in dem Klötze vorkommen. In der Liste für 18 Monate steht Spielen mit Spielzeug auf einfache Art, etwa das Schieben eines Spielzeugautos, und als Spieltipp das Hinein- und Herauslegen von Klötzen in Behälter. Für zwei Jahre nennt die CDC, dass ein Kind etwas in einer Hand hält und mit der anderen etwas tut, etwa einen Deckel abnimmt, und gibt den Tipp, abwechselnd Türme zu bauen und umzuwerfen.
Das BIÖG ist in diesem Punkt konkreter. Ein halbes Jahr nach dem ersten Geburtstag baue ein Kind wahrscheinlich aus allem, was sich stapeln lässt, Türme. Aus allem heißt: nicht nur aus Bauklötzen, sondern aus Bechern, Büchern, Dosen und Kissen. Wer ein Kind dieses Alters beim Spielen beobachtet, sieht, dass der Turm die Idee ist und das Material zweitrangig.
Wie hoch die Türme in diesem Alter werden, sagen die gelesenen Behördenquellen nicht. Im Netz kursieren Zahlen wie vier Klötze mit 18 bis 22 Monaten oder sechs mit etwa zwei Jahren, meist auf Seiten von Herstellern und ohne Herkunft. Wir geben sie nicht als Richtwert weiter, weil wir keine öffentliche Quelle gefunden haben, die sie mit Daten belegt. Was sich belegen lässt, ist die Richtung: Mit der Hand wird auch der Turm sicherer.
Für den Kauf ist diese Phase die, in der ein Set seinen Wert zeigt oder nicht. Ein Kind, das Türme baut, braucht Klötze, die gerade aufeinanderliegen, also mit flachen Flächen und einem Maß, bei dem die Kanten wieder zusammenkommen. Genau das unterscheidet ein durchdachtes Set von einer Kiste mit Holzresten.
Bis 30 Monate: der Klotz als Brot für die Puppe
In der Liste für 30 Monate kommt der Klotz noch einmal vor, aber in einer ganz anderen Rolle. Unter den kognitiven Meilensteinen steht, dass ein Kind Dinge zum So-tun-als-ob verwendet, etwa einen Klotz an eine Puppe verfüttert, als wäre er Essen. Der Klotz ist jetzt nicht mehr Baumaterial, sondern Stellvertreter für etwas anderes.
Dieser Meilenstein zeigt, warum Bauklötze über viele Jahre im Kinderzimmer bleiben. Ein einfacher Holzklotz hat keine festgelegte Bedeutung. Er kann ein Brot sein, ein Auto, ein Telefon oder ein Stein in einer Mauer. Das BIÖG schreibt in seinen Hinweisen zum Spielzeug, dass vielseitig verwendbares Spielzeug, zum Beispiel Bausteine aus Holz oder Plastik, der Fantasie und Spielfreude kaum Grenzen setze.
In derselben Liste für 30 Monate stehen zwei weitere Fähigkeiten, die das Bauen verändern. Das Kind dreht Dinge mit der Hand, etwa Türknäufe oder Deckel, und es folgt Anweisungen aus zwei Schritten. Wer einem Kind dieses Alters sagt, es solle erst den großen und dann den kleinen Klotz nehmen, kann mit einer Antwort rechnen. Damit wird gemeinsames Bauen möglich, bei dem ein Erwachsener eine Idee vorschlägt und das Kind sie umsetzt.
Vom Fallenlassen bis zur Brücke: die Spieltipps der CDC nach Alter
Neben den Meilensteinen enthält jede Liste der CDC Spieltipps für Eltern, und wer sie hintereinander liest, bekommt eine kleine Geschichte des Bauens aus Sicht der Erwachsenen. Mit sechs Monaten heißt der Tipp, ein heruntergefallenes Spielzeug aufzuheben und zurückzugeben, weil das Spiel Ursache und Wirkung lehre. Mit einem Jahr: gemeinsam mit Klötzen und anderem Spielzeug spielen, das die Hände beschäftigt, und das Kind Dinge herumschieben lassen, etwa leere Kartons, damit es das Gehen übt.
Mit 15 Monaten kommt das Aufräumen dazu: ein einfaches Aufräumlied erfinden und es singen, während das Kind hilft, Spielzeug in einen Korb zu legen. Für Bauklötze ist das der Moment, in dem die Kiste zum Teil des Spiels wird. Mit 18 Monaten nennt die CDC wieder das Hinein- und Herauslegen von Klötzen in Behälter, dazu Spielzeug zum Schieben und Ziehen und Dinge für das So-tun-als-ob, etwa eine Puppe mit Decke.
Mit zwei Jahren: einfache Puzzles mit Formen, Farben oder Tieren machen und jedes Teil benennen, wenn das Kind es einsetzt, und abwechselnd Türme bauen und umwerfen. Mit 30 Monaten wieder Puzzles. Mit drei Jahren eine Kiste mit Papier und Stiften und Knete zum Drücken, Kneten und Rollen, die nach der CDC die Muskeln der Hände und Finger für Schreiben, Knöpfen und Schneiden stärkt. Mit vier Jahren einfache Dinge zählen, etwa Finger, Spielzeug oder Bananen.
Mit der Liste für fünf Jahre schließt sich der Kreis. Sie empfiehlt Spielzeug, das zum Zusammensetzen anregt, etwa Puzzles und Bausteine, und gibt ein Beispiel für ein Gespräch beim Spielen: Eltern sollen fragen, was das Kind spielt, und mit Warum- und Wie-Fragen zum Weitererzählen anregen, etwa bei einer Brücke, die es gerade baut, warum es sie an diese Stelle gesetzt hat. Aus dem Klotz, der mit sechs Monaten vom Hochstuhl fiel, ist ein Gesprächsanlass geworden.
Gemeinsam ist allen Tipps, dass sie keine Förderprogramme sind. Sie beschreiben, was Erwachsene nebenbei tun können, beim Aufräumen, beim Spielen auf dem Boden, beim Fragen. Keiner verlangt ein bestimmtes Set oder eine bestimmte Zahl an Klötzen.
Was „bis 15 Monate“ bedeutet: die 75-Prozent-Regel
Jede Monatsangabe der CDC beruht auf derselben Regel, und sie ist der wichtigste Satz für alle, die sich Sorgen machen. Jeder Meilenstein steht bei dem Alter, bis zu dem mindestens 75 Prozent der Kinder ihn zeigen. Daraus folgt umgekehrt: Bis zu einem Viertel der Kinder zeigt den Meilenstein bei diesem Alter noch nicht.
Begründet wird die Wahl in den Erläuterungen der CDC zu den Checklisten. Bei einer Grenze von 50 Prozent hätte die Hälfte aller Kinder einen Meilenstein beim genannten Alter noch nicht erreicht, und das Fehlen eines einzelnen Meilensteins sage wenig. Mit 75 Prozent solle schon ein einzelner fehlender Meilenstein Anlass für ein Gespräch und eine genauere Untersuchung sein. Damit solle dem Abwarten entgegengewirkt werden, das oft folge, wenn ein Kind einen Durchschnittswert verfehlt.
Ebenso deutlich sagt die CDC, wofür die Listen nicht gedacht sind. Sie seien keine Richtlinien oder Standards für die kindliche Entwicklung und dürften nicht als Werkzeuge zur Früherkennung oder Diagnose von Entwicklungsverzögerungen verwendet werden. Wenn Sorgen bestehen, seien die nächsten Schritte ein formales Screening, eine Untersuchung oder eine Überweisung. Gedacht sind die Listen als Werkzeug für das Gespräch zwischen Familie und Fachleuten.
Für die Frage „ab wann“ heißt das: Wer liest, dass Kinder mit 15 Monaten zwei Klötze stapeln, liest eine Zahl, die bewusst spät angesetzt ist. Ein Kind, das es mit 13 Monaten kann, ist nicht besonders früh, und eines, das es mit 16 Monaten noch nicht kann, ist nicht automatisch spät dran. Mit der Zahl markiert ist der Punkt, an dem ein Gespräch sinnvoll wird, nicht der Punkt, an dem etwas falsch läuft.
Eine Liste, 2022 umgebaut: warum alte Zahlen anders lauten
Wer ältere Ratgeber liest, findet oft andere Zahlen als die der CDC von heute. Das hat einen Grund, den die Studie in Pediatrics offenlegt. Beauftragt hatte die CDC die amerikanische Akademie für Kinderheilkunde, eine Arbeitsgruppe einzuberufen, die ihre Checklisten überarbeitet. Elf Kriterien legte die Gruppe fest, darunter die Regel, dass mindestens 75 Prozent der Kinder einen Meilenstein bis zum genannten Alter erreichen, und dass er sich im Alltag leicht beobachten lässt.
Das Ergebnis war ein deutlicher Umbau. Um 26,4 Prozent sank die Zahl der Meilensteine, 40,9 Prozent der bisherigen wurden ersetzt. Ein Drittel der behaltenen Meilensteine kam in ein anderes Alter, und von diesen wanderten 67,7 Prozent in ein höheres. Neu kamen Listen für 15 und 30 Monate dazu. Für etwa 80 Prozent der endgültigen Meilensteine lagen Normdaten aus mindestens einer Quelle vor; am dünnsten war die Datenlage bei sozialen, emotionalen und kognitiven Meilensteinen.
Für Bauklötze heißt das zweierlei. Erstens: Eine Zahl aus einem Ratgeber, der älter ist als 2022, kann aus einer Liste stammen, die mit einer anderen Grenze gearbeitet hat. Wer früher las, ein Kind könne mit einem bestimmten Alter einen Turm aus vier Klötzen bauen, las womöglich eine Durchschnittszahl, bei der die Hälfte der Kinder es noch nicht konnte. Zweitens: Sparsamer sind die neuen Listen außerdem. Sie nennen nur Meilensteine, für die es Daten gibt, und lassen andere weg, auch wenn sie im Alltag auffallen.
Nach eigener Darstellung der CDC enthalten die Listen nicht alle möglichen Meilensteine; ob einer aufgenommen wurde, habe an der verfügbaren Datenlage gelegen und sage nichts über seine Bedeutung für die Entwicklung. Dass der Turm aus vier oder sechs Klötzen in den Listen fehlt, heißt also nicht, dass er unwichtig ist. Es heißt, dass die Arbeitsgruppe keine ausreichenden Daten für eine Altersangabe hatte.
Wie die Listen formuliert sind, hat ebenfalls einen Grund. Die CDC beschreibt, dass Meilensteine und offene Fragen vor der Veröffentlichung mit Eltern kleiner Kinder auf Verständlichkeit getestet wurden, auf Englisch und Spanisch, mit Familien unterschiedlicher Herkunft, Einkommen und Bildung. Sprachlich entsprächen die Checklisten dem Leseniveau der fünften bis siebten Klasse. Dass ein Meilenstein „einen Klotz in einen Becher legen“ heißt und nicht „gezieltes Ablegen eines Objekts“, ist also Absicht: Eltern sollen ihn auf dem eigenen Teppich wiedererkennen.
Wie breit Spannen sind: freies Gehen zwischen 9 und 20 Monaten
Wie unterschiedlich Kinder sich entwickeln, zeigt kein Beispiel so deutlich wie das Gehen, und das BIÖG beschreibt es mit Zahlen. Manche Kinder beginnen schon mit neun Monaten frei zu gehen, andere erst mit 18 Monaten. Mit 20 Monaten könnten sich bei einer normal verlaufenden Entwicklung alle Kinder in unserem Kulturkreis frei und sicher gehend bewegen. Hochziehen an Möbeln beginnt bei den meisten zwischen neun und 15 Monaten.
Das ist eine Spanne von elf Monaten zwischen dem frühesten und dem spätesten Beginn einer Fähigkeit, die jedes gesunde Kind erwirbt. Zum Vergleich: Das ist fast so viel Zeit, wie ein Kind bis zu seinem ersten Geburtstag gelebt hat. Beim freien Sitzen nennt das BIÖG einen ähnlichen Punkt: Mit zehn Monaten sitzen alle normal entwickelten Kinder frei.
Für Bauklötze gibt es keine vergleichbar ausführliche Spanne aus einer deutschen Behördenquelle. Es gibt aber keinen Grund anzunehmen, dass die Hand enger getaktet ist als die Beine. Das BIÖG schreibt selbst, dass viele Kinder innerhalb weniger Monate mehrere Entwicklungsschritte fast nebeneinander durchlaufen, andere sie schön geordnet nacheinander. Und es weist darauf hin, dass ein Kind, das gerade laufen lernt, in anderen Bereichen eine Pause einlegen und das Versäumte danach schnell nachholen könne.
Wer das auf den Teppich überträgt, versteht, warum ein Kind, das mit 13 Monaten läuft, mit 15 Monaten vielleicht noch keine Klötze stapelt, und ein anderes, das mit 17 Monaten noch krabbelt, schon Türme baut. Gleichmäßig verteilt die Entwicklung ihre Kraft nicht.
Zu früh geboren: mit dem korrigierten Alter rechnen
Für Kinder, die zu früh zur Welt kamen, gelten die Monatsangaben nicht vom Geburtstag an. Die amerikanische Akademie für Kinderheilkunde rät, in den ersten zwei Lebensjahren mit dem korrigierten Alter zu rechnen. Es gibt einen besseren Anhalt dafür, wann ein Kind übliche Entwicklungsziele erreichen sollte.
Einfach ist die Rechnung. Man nimmt das Alter des Kindes in Wochen seit der Geburt und zieht die Wochen ab, die es zu früh kam. Wie viele das sind, ergibt sich aus 40 minus der Schwangerschaftswoche bei der Geburt. Die Akademie gibt ein Beispiel: Ein Kind, das in der 32. Woche geboren wurde, kam acht Wochen, also zwei Monate, zu früh. Ist es jetzt vier Monate alt, beträgt sein korrigiertes Alter zwei Monate.
Auf Bauklötze übertragen: Ein Kind, das zwei Monate zu früh geboren wurde, steht nach der Rechnung der Akademie mit 17 Monaten seit der Geburt dort, wo ein termingerecht geborenes Kind mit 15 Monaten steht. Warum diese Rechnung Eltern entlastet, beschreibt die Akademie ebenfalls: Verwandte und Bekannte äußerten oft gut gemeinte Sorgen über die Entwicklung, obwohl das Kind für sein korrigiertes Alter genau im Rahmen liege.
Bei den Packungsangaben hilft das korrigierte Alter dagegen nicht. Auf die Sicherheit bezieht sich die Untergrenze auf einem Set Holzklötze, etwa auf verschluckbare Teile, und diese Gefahr hängt nicht davon ab, wann ein Kind geboren wurde, sondern davon, ob es Dinge in den Mund nimmt. Für ein frühgeborenes Kind, das noch alles in den Mund steckt, gelten dieselben Vorsichtsregeln wie für jedes andere.
Eine Feinheit steht auf derselben Seite der Akademie: Eine Schwangerschaft gelte heute ab 39 Wochen als ausgetragen, gerechnet werde für das korrigierte Alter aber mit 40 Wochen. Wer genau rechnen will, nimmt die Schwangerschaftswoche aus den Unterlagen der Geburtsklinik und zieht sie von 40 ab. Für die grobe Einordnung, ob ein Kind beim Stapeln im Rahmen liegt, reicht die Rechnung in Monaten.
Wer hinschaut: die U7 zwischen dem 21. und 24. Monat
In Deutschland gibt es für die Frage, ob sich ein Kind altersgemäß entwickelt, feste Termine: die Früherkennungsuntersuchungen, dokumentiert im gelben Kinderuntersuchungsheft. Für das Alter, in dem aus Klötzen Türme werden, ist die U7 der wichtigste Termin. Sie findet nach den Angaben des BIÖG zwischen dem 21. und 24. Lebensmonat statt.
Was dort geschieht, gibt das BIÖG aus der Elterninformation des Untersuchungshefts wieder. Die Ärztin oder der Arzt achtet besonders auf Entwicklungsauffälligkeiten, untersucht das Kind körperlich, prüft die Augen und ob es einfache Wörter und Sätze versteht. Eltern werden gefragt, wie sich ihr Kind zum Beispiel beim Spielen, in der Familie oder in einer Gruppe von Kindern verhält. Ein Turm aus Klötzen ist dort kein Prüfstein, aber das Spielen gehört ausdrücklich zu den Themen.
Knapp formuliert die CDC ihre Empfehlung für Eltern: Wenn ein Kind einen oder mehrere Meilensteine nicht erreicht, Fähigkeiten verloren hat, die es schon hatte, oder wenn Eltern andere Sorgen haben, sollten sie früh handeln und mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt sprechen. Das BIÖG schreibt zur U6, Eltern sollten auch leise Zweifel an der Entwicklung deutlich ansprechen, denn sie seien die Experten für ihr Kind.
Für ein Kind, das mit 18 Monaten noch keine zwei Klötze stapelt, heißt das: kein Grund zur Panik, aber ein Thema für den nächsten Termin. Wer nicht bis zur U7 warten will, kann das Gespräch auch früher suchen. Ein Termin, bei dem sich eine Sorge als unbegründet erweist, ist kein verlorener Termin.
Nach der U7 folgt die U7a im 34. bis 36. Lebensmonat. Sie liegt damit an derselben Stelle der Achse wie die Grenze von 36 Monaten, die auf vielen Packungen steht. Ob das gewollt ist, sagt keine der Quellen; nützlich ist es trotzdem: Wer bei der U7a über die Entwicklung seines Kindes spricht, steht zugleich an der Schwelle, ab der Plättchen, Magnetplatten und Sets mit kleinen Teilen freigegeben sind. Ob ein Kind diese Bauarten schon nutzen kann, beantwortet die Untersuchung nicht, aber sie ist ein guter Anlass, die Frage zu stellen.
Die Zahl auf dem Karton: was sie regelt und was nicht
Auf fast jeder Packung Bauklötze steht eine Altersangabe. Bei allen fünf Holzklotz-Sets unseres Vergleichs sind es 12 Monate, bei Magnetplatten durchweg drei Jahre, bei Kapla je nach Seite zwei oder drei Jahre. Diese Zahlen sehen aus wie Entwicklungsangaben. Sie sind aber in erster Linie Sicherheitsangaben.
Anhang II der EU-Spielzeugrichtlinie stellt eine Größenanforderung: Was erkennbar für Kinder unter drei Jahren gemacht ist, muss mitsamt allen ablösbaren Teilen zu groß zum Verschlucken und Einatmen sein. Eine Altersangabe von 12 Monaten auf einem Holzklotz-Set ist deshalb vor allem die Aussage, dass die Klötze für ein Kind gemacht sind, das sie in den Mund nimmt. Eine Angabe von drei Jahren bei Magnetplatten ist die Aussage, dass das Set für jüngere Kinder nicht gedacht ist.
Das BIÖG ordnet Altersangaben auf Spielzeug als grobe Orientierung ein und fügt hinzu, jedes Kind sei anders und auch gleichaltrige Kinder könnten sehr verschieden sein. Ab wann ein Kind mit den Klötzen etwas anfangen kann, sagt die Angabe also nicht. Ein Set ab 12 Monaten ist mit einem Jahr sicher, aber nicht unbedingt schon interessant; ein Set ab drei Jahren kann für ein geschicktes Zweijähriges reizvoll, aber trotzdem nicht freigegeben sein.
Wie eine Altersangabe auf Spielzeug rechtlich zustande kommt, wann der Hinweis „nicht für Kinder unter drei Jahren“ Pflicht ist und wann er fehlen darf, haben wir an anderer Stelle Wort für Wort nachgelesen, im Beitrag darüber, was der Warnhinweis unter drei Jahren rechtlich bedeutet. Für Bauklötze genügt die Kurzform: Die Zahl auf dem Karton ist eine Untergrenze für die Sicherheit, keine Zielmarke für die Entwicklung.
Welcher Klotz zu welcher Hand: Größe, Form und Bauart nach Alter
Wenn die Entwicklung sagt, was ein Kind mit einem Klotz tut, und die Packung sagt, ab wann ein Set sicher ist, bleibt die Frage, welches Set zu welcher Phase passt. Entscheidend sind die Größe der Klötze, ihre Form und die Bauart.
Für das erste Jahr, in dem Greifen, Klopfen und Einräumen im Vordergrund stehen, sind große, leichte Klötze die naheliegende Wahl. Das größte Grundmaß, das ein Hersteller in unserem Vergleich nennt, sind 40 Millimeter, bei einem ausdrücklich für Babys gedachten Set; das übliche Maß liegt bei 25 Millimetern. Welche Sets welche Maße nennen und wie die Maße zusammenpassen, steht in unserem Vergleich der Holzklötze für den ersten Geburtstag mit ihren Grundmaßen.
Für das zweite und dritte Jahr, in dem aus Stapeln Bauen wird, zählt weniger die Größe als die Passung. Klötze, deren Maße Vielfache voneinander sind, ergeben Türme, die gerade stehen. Holzplättchen, deren Dicke, Breite und Länge im Verhältnis 1:3:15 stehen, kommen ab etwa drei Jahren dazu; Kapla nennt selbst zwei und drei Jahre. Was das Verhältnis leistet und welche Plättchen es halten, steht in unserem Vergleich der Holzplättchen im Verhältnis 1:3:15.
Magnetplatten geben alle Marken unseres Vergleichs erst ab drei Jahren frei, und die gesetzliche Unfallversicherung empfiehlt Kitas, Magnetspielzeug von den unter Dreijährigen ganz fernzuhalten. Wer ein Kind unter drei und ein älteres Geschwister hat, findet die Einzelheiten in unserem Vergleich der Magnetplatten und ihrer Untergrenze von drei Jahren.
Herauswachsen im eigentlichen Sinn tun Kinder aus Bauklötzen selten. Noch in der Liste für fünf Jahre empfiehlt die CDC Bausteine als Spielidee, zusammen mit Puzzles. Was sich ändert, ist der Anspruch: Ein Fünfjähriges will Brücken, Burgen und Rampen bauen, für die ein kleines Set mit wenigen Formen nicht reicht. Wachstumsreserve hat ein Set deshalb nicht in der Größe der Klötze, sondern in ihrer Zahl und darin, ob sich Sets derselben Marke im selben Maß ergänzen lassen.
Drei Kaufsituationen: Geburtstag, Geschwister, Kita
Erste Situation: der erste Geburtstag. Ein Kind, das gerade Schubladen ausräumt, bekommt ein Set Holzklötze in einer Box. Die Packung sagt 12 Monate, und das passt: Die Klötze sind groß genug, um sicher zu sein, und die Box ist das eigentliche Spielzeug der nächsten Wochen. Ob das Kind mit den Klötzen auch baut, zeigt sich nach den Quellen eher ein halbes Jahr später. Wer das weiß, ist nicht enttäuscht, wenn der erste Turm auf sich warten lässt.
Zweite Situation: ein Haushalt mit zwei Kindern, eines anderthalb, eines vier. Das ältere bekommt Magnetplatten geschenkt, das jüngere sitzt daneben. Hier zählt die Packungsangabe mehr als die Entwicklung. Die Platten sind für drei Jahre freigegeben, und nach dem Rat der Unfallversicherung gehört Magnetspielzeug in Einrichtungen nicht in die Hände von Kindern unter drei. Für das jüngere Kind ist ein eigenes Set großer Holzklötze die bessere Lösung, und für die Platten ein Platz, an den es nicht allein herankommt.
Dritte Situation: der Übergang in die Kita. Ein Kind von drei Jahren kommt nach Hause und will mit dünnen Holzplättchen bauen, die es dort kennengelernt hat. Kapla nennt für seine Plättchen auf den Produktseiten zwei, in den eigenen Antworten auf Fragen drei Jahre, und schreibt, die Plättchen würden in Kindergärten häufig eingesetzt. In dieser Lage passt beides zusammen: Das Kind kann mit der Bauart etwas anfangen, und die Packung gibt sie frei. Die Frage ist dann nicht mehr „ab wann“, sondern „wie viele“.
Allen drei Situationen ist gemeinsam, dass die Antwort nicht in einer einzigen Zahl liegt. Sie liegt darin, die Zahl auf der Packung und das, was das Kind gerade tut, nebeneinander zu legen, wie in der Grafik oben.
Mitspielen statt anleiten: was das BIÖG Eltern rät
Das Gesundheitsportal des BIÖG beginnt seine Seite über Spielen als Förderung mit einer Beobachtung, die jede Suche nach „bauklötze ab wann“ trifft. Zahlreiche Ratgeber erklärten Eltern, wie wichtig eine möglichst frühe und richtige Förderung sei, und viele seien dadurch verunsichert. Gleichaltrige Kinder würden aufmerksam beobachtet und mit dem eigenen verglichen, und wenn andere schon besser sprechen, laufen oder spielen, hätten manche Eltern Angst, etwas versäumt zu haben.
Knapp fällt die Antwort des BIÖG aus: Es gebe für Kinder eigentlich keine bessere Förderung, als ihnen von klein an genug Zeit und Raum zum Spielen zu geben. Im Spiel suchten sich Kinder die Anregungen, die sie gerade für ihre Entwicklung brauchen, machten sich mit Gegenständen vertraut und übten, ihre Hände und Finger immer geschickter zu gebrauchen. Ein Kind, das zum zwanzigsten Mal einen Klotz in eine Schüssel legt, tut nach dieser Beschreibung genau das, was es in diesem Moment braucht.
Für das Mitspielen gibt das BIÖG eine Rolle vor, die für Bauklötze gut passt: Mitspieler statt Animateur. Eltern müssten nicht ständig Programme oder fertige Spielideen bereithalten, denn ein Kind stecke voller eigener Ideen. Sie sollten ihr Kind beobachten, sich auf seine Ideen einlassen und ihm die Regie überlassen. Und lieber kurz, aber mit ungeteilter Aufmerksamkeit spielen als lange und halbherzig. Wer neben einem Kind einen Turm baut, den das Kind umwerfen darf, spielt nach dieser Regel.
Auf der Seite über das, was Kinder zum Spielen brauchen, steht ein Satz, den Eltern von Einjährigen kennen: Kaum eine Schublade bleibe zu, und während Eltern das eine Chaos beseitigen, sei das nächste meist schon angerichtet. Das BIÖG rät, die Ansprüche an perfekte Ordnung in der Kleinkindphase etwas zurückzunehmen. Für Bauklötze heißt das: Die Kiste, die immer wieder ausgekippt wird, ist kein Zeichen dafür, dass das Kind mit den Klötzen nichts anfangen kann, sondern dafür, dass es gerade mit ihnen spielt.
Fünf Annahmen, die sich hartnäckig halten, und woher sie kommen
Erste Annahme: Die Zahl auf der Packung sagt, ab wann ein Kind mit dem Spielzeug etwas anfangen kann. Sie entsteht, weil Altersangaben auf Spielzeug wie Empfehlungen aussehen und oft neben Entwicklungsversprechen stehen. Tatsächlich ist die Untergrenze vor allem eine Sicherheitsangabe; das BIÖG nennt sie eine grobe Orientierung.
Zweite Annahme: Mit 18 Monaten muss ein Kind einen Turm aus vier Klötzen bauen. Sie stammt aus Ratgebern, die Durchschnittswerte aus älteren Listen weitergeben, und aus Herstellerblogs, die Spannen ohne Quelle nennen. In den überarbeiteten Listen der CDC kommt ein solcher Meilenstein nicht vor; dort steht das Stapeln von zwei Gegenständen bis 15 Monate, mit der Regel, dass ein Viertel der Kinder es später kann.
Dritte Annahme: Ein Kind, das Türme umwirft, kann noch nicht bauen. Sie liegt nahe, weil Erwachsene Bauen mit dem fertigen Turm verbinden. Ausdrücklich empfiehlt die CDC das Umwerfen dagegen als Spiel, für 15 Monate und noch einmal für zwei Jahre. Umwerfen ist der Teil des Bauens, bei dem ein Kind lernt, was ein Turm aushält.
Vierte Annahme: Frühgeborene sind beim Bauen hinterher. Sie entsteht, wenn man vom Geburtstag aus rechnet. Die amerikanische Akademie für Kinderheilkunde rät, in den ersten zwei Jahren mit dem korrigierten Alter zu rechnen; damit liegen viele Kinder, die scheinbar spät dran sind, genau im Rahmen.
Fünfte Annahme: Je früher ein Kind stapelt, desto begabter ist es. Sie entsteht aus dem Vergleich mit anderen Kindern, in Foren und auf dem Spielplatz. Als Werkzeug für das Gespräch mit Fachleuten beschreibt die CDC ihre Meilensteine, nicht als Rangliste. Ein Kind, das mit 12 Monaten stapelt, und eines, das es mit 16 Monaten tut, haben nach den Listen beide nichts Ungewöhnliches getan.
Was Eltern fragen, im Fließtext beantwortet
„Bauklötze ab 6 Monate“, „ab 9 Monate“, „ab 12 Monate“, „ab 18 Monate“: Für jedes Alter eine eigene Antwort: So sucht die Autovervollständigung, und so suchen Eltern. Mit sechs Monaten greift ein Kind nach Klötzen, wie nach jedem anderen Spielzeug; das ist der Meilenstein, den die CDC für dieses Alter nennt. Ein Bauset braucht es in diesem Alter nicht; die Holzklotz-Sets unseres Vergleichs sind ohnehin erst ab 12 Monaten freigegeben. Mit neun Monaten klopfen Kinder zwei Dinge gegeneinander, mit zwölf legen sie einen Klotz in einen Becher.
„Bauklötze für 2-Jährige“ ist die Frage nach der Phase, in der das Stapeln zum Bauen wird. Für dieses Alter schlägt die CDC vor, abwechselnd Türme zu bauen und umzuwerfen. Ein Set mit mehr Teilen und mit Formen, die zusammenpassen, ist jetzt mehr wert als ein kleines Baby-Set. Bei Holzplättchen und Magnetplatten lohnt ein Blick auf die Untergrenze, die meist bei drei Jahren liegt.
„Bauklötze für 3-Jährige“ und „für 4-Jährige“ sind Fragen nach der Bauart, nicht mehr nach dem Alter. Für 30 Monate nennt die CDC das So-tun-als-ob mit einem Klotz und für vier Jahre, dass ein Kind einen Stift zwischen Fingern und Daumen hält, nicht mehr in der Faust. Die Hand ist dann bereit für dünnere Teile, für Plättchen, die sich nur mit Gefühl stapeln lassen, und für Magnetplatten, sofern die Packung sie freigibt.
„Bauklötze u3“ schließlich ist die Frage aus Krippe und Kita nach Spielzeug für Kinder unter drei Jahren. Hier gelten dieselben Regeln wie zu Hause, nur strenger: Spielzeug für diese Gruppe darf nach der Richtlinie keine verschluckbaren Teile haben, und die Unfallversicherung rät für diese Altersgruppe von Magnetspielzeug ab. Große Holzklötze sind deshalb in vielen Krippen das Grundmaterial.
Wie selbstverständlich Bausteine zum Alltag dieser Altersgruppe gehören, zeigt eine Liste auf den Seiten des BIÖG mit Spielideen für Kinder zwischen einem und drei Jahren. Dort steht das Bauen mit Bausteinen zwischen Klettern im Freien, Spielen mit Sand und Wasser, Fahren mit Auto und Lokomotive, Trommeln und ersten Bildern. Bauklötze sind in dieser Aufzählung kein Förderprogramm, sondern eines von vielen Dingen, die Kinder in diesem Alter gern tun.
Was offizielle Stellen wörtlich sagen
Zum Schluss der Entwicklungsfragen die wichtigsten Sätze im Wortlaut, übersetzt, wo die Quelle englisch ist. Die CDC über ihre Listen: Die Meilensteine seien keine Richtlinien oder Standards für die kindliche Entwicklung und sollten nicht als Werkzeuge zur Früherkennung oder Diagnose verwendet werden. Und zur Grenze: Mit einem Meilenstein bei 50 Prozent hätte die Hälfte aller Kinder ihn noch nicht erreicht.
Die CDC in der Liste für 15 Monate: „Stacks at least two small objects, like blocks“ — stapelt mindestens zwei kleine Gegenstände, etwa Klötze. Und als Tipp: Ermutigen Sie Ihr Kind, mit Klötzen zu spielen; Sie können sie stapeln, und Ihr Kind kann sie umwerfen.
Das BIÖG über Spielzeug: Altersangaben auf Spielzeug böten eine grobe Orientierung, jedes Kind sei anders und nehme seinen eigenen Entwicklungsweg, und auch gleichaltrige Kinder könnten sehr verschieden sein. Und über das Gehen: Mit 20 Monaten könnten sich bei einer normal verlaufenden Entwicklung alle Kinder in unserem Kulturkreis frei und sicher gehend bewegen.
Die amerikanische Akademie für Kinderheilkunde über Frühgeborene: In den ersten zwei Jahren gebe das korrigierte Alter eine bessere Vorstellung davon, wann ein Kind übliche Entwicklungsziele erreichen sollte. Zusammen ergeben diese Sätze die Haltung, mit der sich „ab wann“ beantworten lässt: Zahlen als Anhalt, nicht als Prüfung.
Wenn Klötze altern: Splitter, lose Teile, Farbe
Bauklötze werden oft weitergegeben, von älteren Geschwistern, aus der Verwandtschaft oder aus dem Keller der eigenen Kindheit. Das BIÖG gibt dazu einen Hinweis, der für jedes Alter gilt: Älteres Spielzeug regelmäßig überprüfen, ob etwa Holz abgesplittert ist, Kleinteile locker sind oder Farbe abblättert. Bruchstellen, gesplittertes Holz und abgebrochene Kleinteile seien eine Gefahrenquelle für Kinder.
Für Kinder unter drei Jahren ist diese Prüfung wichtiger als für ältere, weil sie Klötze noch in den Mund nehmen. Ein Splitter an einer Kante, der einem Fünfjährigen kaum auffällt, ist für ein Baby eine Verletzungsgefahr. Und ein Klotz, von dem ein Stück abgebrochen ist, hat womöglich ein Teil hinterlassen, das klein genug zum Verschlucken ist. Die Richtlinie verlangt solche Größen für Spielzeug unter 36 Monaten gerade nicht.
Bei bemalten Klötzen kommt die Farbe dazu. Wer nicht weiß, womit ein alter Klotz gestrichen wurde, weiß auch nicht, was ein Kind beim Kauen davon aufnimmt. Das BIÖG rät, auf Zeichen wie CE und GS zu achten und zu wissen, was sich dahinter verbirgt. Bei Klötzen ohne Packung und ohne Herkunft bleibt nur der Blick aufs Holz und im Zweifel der Verzicht auf bemalte Stücke, solange ein Kind noch alles in den Mund steckt.
Wenige Minuten dauert die Prüfung: jeden Klotz einmal in die Hand nehmen, mit dem Daumen über die Kanten fahren, gegen das Licht halten, Ecken und Flächen ansehen. Was splittert, bröckelt oder abblättert, kommt aus der Kiste.
Das BIÖG fasst den Anspruch an Spielzeug in einem Satz zusammen, der für alte wie neue Klötze gilt: Ein Kind solle sich an nichts verletzen, sich mit nichts vergiften und auch nichts verschlucken können. Bei einem neuen Set aus dem Handel übernimmt der Hersteller die Verantwortung dafür, bei einem geerbten Set ohne Packung die Familie. Die Prüfung von Hand ist deshalb bei gebrauchten Klötzen keine Übervorsicht, sondern der Ersatz für die Angaben, die fehlen.
Nach dem Turm: wohin das Bauen führt
Mit fünf Jahren enden die Listen der CDC, und in der letzten taucht der Baustein noch einmal auf, als Spielidee zusammen mit Puzzles: Spielzeug, das dazu anregt, Dinge zusammenzusetzen. Zu dieser Zeit hält ein Kind nach der Liste für vier Jahre einen Stift zwischen Fingern und Daumen, nicht mehr in der Faust. Die Hand, die mit sechs Monaten nach einem Klotz gegriffen hat, ist jetzt bereit für die Schule.
Damit beginnt eine neue Reihe von Fragen nach dem richtigen Alter, und die erste große heißt nicht mehr Bauklotz, sondern Schulranzen. Was dort zählt, Körpergröße, Sichtbarkeit auf dem Schulweg und Gewicht, haben wir in unserem Beitrag zum ersten Schulranzen zusammengetragen, mit derselben Frage im Hintergrund: Passt das Ding zum Kind?
Bis dahin bleiben Bauklötze eines der wenigen Spielzeuge, die über vier oder fünf Jahre in Gebrauch sind, erst als Greifspielzeug, dann als Räumspielzeug, dann als Baumaterial und schließlich als Stoff für Geschichten. Wer sehen will, welche Bauart in welchem Alter dazukommt, findet alle Bauarten von Bauklötzen nebeneinander in unserer Übersicht zum Thema.
Wo Meilenstein-Listen nicht weiterhelfen