Schlampermäppchen oder Federmäppchen: zwei Bauformen, zwanzig Namen

Warum steht auf derselben Schulliste „Federmäppchen“ und zwei Zeilen darunter „Schlampermäppchen“ — und warum sagt eine Schule in Schleswig-Holstein „Federtasche“, eine in Sachsen „Federkästchen“ und eine in Niedersachsen „Faulenzer“? Hinter den Wörtern stehen zwei verschiedene Gegenstände, und ein Sprachatlas hat sie getrennt kartiert. Diese Seite erzählt, woher die Namen kommen, was sie bedeuten und welche Bauform wofür taugt.
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Wortgeographie nach dem Atlas zur deutschen Alltagssprache, Herkunft nach dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, Geschichte nach zwei Museen und Pelikan, dazu die Wörter auf 22 Schullisten. Stand 27. September 2026.

Worauf sich diese Seite stützt

Die Wortgeographie stammt aus dem Atlas zur deutschen Alltagssprache, einem Projekt von Stephan Elspaß und Robert Möller, das regionale Wörter über Internetumfragen erhebt. Die Bedeutungen und Herkunftsangaben stammen aus dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS), die Angaben zu Griffelkasten und Schiefertafel aus den Beschreibungen zweier Museen, die Chronik des Füllhalters von Pelikan. Die Wörter auf den Schullisten haben wir selbst ausgezählt, auf 16 Listen für Klasse 1 und sechs für Klasse 5.

Karten des Atlas geben wir nicht wieder; das Raster in der Grafik fasst nur zusammen, was der Atlas in seinem Kommentar in Worten beschreibt. Nach welchen Regeln wir Angaben übernehmen, steht in unserer Beschreibung der Arbeitsweise.

Zwei Wörter auf einer Liste, zwei Dinge im Ranzen

Die Grundschule St. Nikola in Landshut schreibt auf ihre Liste für die erste Klasse ein „Federmäppchen“ und ein „Schlampermäppchen“. Das ist kein doppelter Posten, sondern zwei verschiedene Behälter. Das eine ist flach und rechteckig, mit Schlaufen, in denen die Stifte einzeln stecken. Das andere ist ein Beutel, in dem Schere, Kleber und Spitzer durcheinander liegen. Eine Lokalzeitung aus derselben Stadt beschreibt 2021 Schulanfänger, die ihren anderen Kindern stolz zeigen, was im Ranzen steckt: „Federmäppchen und Schlampermäppchen“.

Was in Landshut selbstverständlich ist, ist anderswo erklärungsbedürftig. In Norddeutschland heißt der flache Behälter mit Schlaufen oft Federtasche, und derselbe Name kann dort auch den Beutel meinen. In der Schweiz heißen beide Etui. In Österreich beide Federpennal. Wer mit einer Liste aus Landshut im Norden einkauft, merkt schnell, dass dieselben Wörter nicht überall dasselbe Ding bezeichnen.

Diese Seite beginnt deshalb nicht beim Produkt, sondern bei der Sprache. Sie folgt einem Sprachatlas, der vor rund 20 Jahren an 439 Orten gefragt hat, wie man die beiden Gegenstände nennt, und der dabei feststellte, dass viele Regionen nur ein Wort für beide haben. Sie fragt, woher das Wort „Schlamper“ kommt und warum in der Federmappe seit Jahrzehnten keine Feder mehr steckt. Und sie zeigt an Schullisten und Produkttiteln, welche Wörter heute tatsächlich benutzt werden.

Am Ende steht eine praktische Frage, die aus der Sprachgeschichte folgt: Wann braucht ein Kind die Mappe mit Schlaufen, wann den Beutel, und wann beides? Die Antwort hängt weniger vom Wort ab als von der Klassenstufe.

Wie ein Sprachatlas den Gegenstand in zwei Hälften teilte

Der Atlas zur deutschen Alltagssprache erhebt regionale Wörter, Aussprachen und Formen, die nicht Dialekt sind, sondern das, was man an einem Ort im Alltag „normal“ sagt. Gefragt wird im Internet nicht nach der eigenen Gewohnheit der Teilnehmenden, sondern nach dem „normalen ortsüblichen Sprachgebrauch“. Das Projekt knüpft ausdrücklich an den „Wortatlas der deutschen Umgangssprachen“ von Jürgen Eichhoff an, der von 1977 bis 2000 in vier Bänden erschien, und will so Veränderungen der letzten 40 bis 50 Jahre sichtbar machen.

Die Frage nach dem Mäppchen stand in der vierten Befragungsrunde. Zwischen Juli 2006 und Dezember 2007 kamen nach Angaben des Atlas 7.204 Antworten aus 439 Orten zusammen. Kartiert wurde je Ort die häufigere Antwort; eine zweite Variante erscheint kleiner, wenn sie mehr als 35 Prozent der Nennungen ausmacht. Der Atlas weist selbst darauf hin, dass die Unterschiede dadurch „etwas stärker betont“ erscheinen als im durchschnittlichen Gebrauch.

Das Entscheidende an der Frage ist ihre Form. Der Atlas hat nicht einen Gegenstand abgefragt, sondern zwei. Frage 12a beschreibt ein Behältnis, „das flach und rechteckig ist und Schlaufen für die Stifte etc. hat“. Frage 12b beschreibt eines, „das wie ein kleiner, länglicher Beutel aussieht und in dem alle Utensilien ungeordnet liegen“. Die Trennlinie, die auch dieser Themenbereich zieht — mit Schlaufen, ohne Schlaufen —, ist also keine Erfindung des Handels, sondern eine, entlang der die Sprache selbst unterscheidet. Oder eben nicht unterscheidet.

Denn das zweite Ergebnis ist ebenso wichtig: In vielen Gebieten gibt es für den Beutel „kein anderes Wort“ als für die Mappe. Wer dort „Federtasche“ sagt, meint beides. Erst im Süden Deutschlands hat der Beutel einen eigenen, weit verbreiteten Namen.

Die Umfrage liegt knapp 20 Jahre zurück. Ob sich die Verteilung seither verschoben hat, sagt der Atlas für diese Frage nicht; die Schullisten weiter unten geben einen Hinweis.

Wer die Zahlen umrechnet, sieht auch die Grenzen der Erhebung. 7.204 Antworten auf 439 Orte sind im Schnitt gut 16 Antworten je Ort, an vielen Orten weniger. Eine zweite Variante wird erst kartiert, wenn sie mehr als 35 Prozent erreicht. Ein Wort, das an einem Ort von einem Viertel der Befragten genannt wird, verschwindet also aus der Karte, obwohl es dort gesprochen wird. Die Karte zeigt Schwerpunkte, keine Grenzen.

Zwei Schnittbilder und ein Wortraster

Die Grafik stellt links die beiden Gegenstände nebeneinander, so wie der Atlas sie beschreibt, und rechts die Wörter, die er für sie nennt, nach Regionen geordnet. Es ist keine Karte, sondern eine Zusammenfassung des Kommentars.

Zwei Gegenstände, viele Namen12a: flach, mit Schlaufenjeder Stift in einer Schlaufe, aufklappbar12b: Beutel, ohne Schlaufenalles lose, Reißverschluss obenRegionmit Schlaufenohne Schlaufenmeiste GebieteFedermappeFedermappe, nicht SüdenNorden, NordostenFedertascheFedertascheNiederrhein, WestfalenEtui, Schuletuiteils SchuletuiRheinland-Pfalz, SaarMäppchenteils MäppchenBaden-WürttembergMäppleSchlampermäppchenSüden allgemeinFedermappeSchlampermäppchenSachsenFederkästchen u. a.Federtasche, -mappeNorden, Westen, neu—FaulenzerÖsterreichFederpennalFederpennalSchweizEtuiEtuiSüdtirolGriffelschachtelGriffelschachtel
Wörter nach dem Kommentar des Atlas zur deutschen Alltagssprache, Runde 4, Fragen 12a und 12b (Erhebung 2006/07). „Federkästchen u. a.“ steht für Federkästchen, Schiefermappe und Schieferkästchen; bei Österreich außerdem Federschachtel. Eigene Zusammenfassung, keine Kartenwiedergabe. Abgerufen am 27. September 2026.

Das Raster zeigt ein Muster, das in der Karte deutlicher ist als im Alltag: Je weiter man nach Süden kommt, desto eher haben die beiden Gegenstände zwei verschiedene Namen. Im Norden heißen beide Federtasche, in der Schweiz beide Etui, in Österreich beide Federpennal. Im Süden Deutschlands dagegen steht die Federmappe, in Baden-Württemberg das Mäpple, neben dem Schlampermäppchen.

Die Schnittbilder zeigen, warum die Unterscheidung überhaupt nötig ist. In der Mappe mit Schlaufen hat jeder Stift einen Platz; man sieht beim Aufklappen sofort, welcher fehlt. Im Beutel liegt alles zusammen; man greift hinein und sucht. Beide Bauformen haben ihre Aufgabe, und die Sprache des Südens hat für jede ein eigenes Wort.

Die Mappe mit Schlaufen und ihre acht Namen

Für den flachen Behälter mit Schlaufen nennt der Atlas in Deutschland mindestens acht Wörter. Das häufigste ist Federmappe, mit den Varianten Federmäppchen und Federmapperl; es wird „in den meisten Gebieten Deutschlands verwendet“.

Daneben stehen regionale Namen mit klaren Schwerpunkten. Etui oder Schuletui sagt man „vor allem am Niederrhein, in Westfalen und im südlichen Niedersachsen“, dasselbe Wort, das in der Schweiz gilt. Federtasche ist „im hohen Norden und Nordosten Deutschlands“ die erste Wahl. Mäppchen heißt der Gegenstand im südlichen Rheinland, in Rheinland-Pfalz und im Saarland, Mäpple in Baden-Württemberg.

Und dann ist da Sachsen, das der Atlas mit drei eigenen Formen führt: Federkästchen aus dem westlichen Sachsen, Schiefermappe aus der Mitte und Schieferkästchen aus dem Osten. Die beiden letzten erinnern an den Schiefer der alten Schreibtafeln, von denen weiter unten die Rede ist. Die Grundschule in Grünhain-Beierfeld im Erzgebirge, also im Westen Sachsens, schreibt auf ihre Liste für die erste Klasse tatsächlich „Federkästchen“.

Das DWDS ordnet die Wörter ähnlich ein. Federmappe sei „besonders“ im Mittelosten Deutschlands verbreitet, oft in Westfalen, gelegentlich in Österreich; Federmäppchen in Deutschland allgemein, besonders im Südosten; Federtasche besonders im Nordosten; Mäppchen besonders im Süden und Mittelwesten. Etui gilt in dieser Bedeutung besonders in der Schweiz und in Westfalen.

Bemerkenswert ist, was alle diese Wörter gemeinsam haben: Sie beschreiben die Hülle, nicht die Ordnung. Mappe, Tasche, Kästchen, Etui sind Behälter. Dass darin Schlaufen sind, sagt keines der Wörter. Das sagt erst das Gegenwort — der Schlamper, in dem keine sind.

Ein Wort, das der Atlas nicht nennt, steht auf einer der Klasse-5-Listen: Die Oberschule in Groitzsch in Sachsen verlangt „eine Steckfedermappe“. Das Wort beschreibt genau das, was die anderen Namen verschweigen, nämlich dass die Stifte gesteckt werden. Ob es in der Gegend verbreitet ist oder eine Eigenheit dieser Schule, lässt sich aus einer einzigen Liste nicht sagen. Es zeigt aber, dass auch Sachsen, das der Atlas schon mit drei eigenen Formen führt, noch weitere kennt.

Der Beutel ohne Ordnung: wo er einen eigenen Namen hat

Für den länglichen Beutel, in dem alles ungeordnet liegt, hat man nach dem Atlas „in vielen Gebieten kein anderes Wort als für den oben beschriebenen Gegenstand“. In der Schweiz heißt auch er Etui, in Südtirol Griffelschachtel, in Österreich Federpennal oder seltener Federschachtel, im Norden und Nordosten Deutschlands Federtasche.

Die Federtasche reicht beim Beutel sogar weiter als bei der Mappe. Der Atlas schreibt, sie sei „nicht nur im Nordosten, sondern (auch weniger stark) in fast allen ostdeutschen Bundesländern – auch etwa in Sachsen und Thüringen – verbreitet“, wo sie mit der Federmappe konkurriere. Die Federmappe als Name für den Beutel ist auch im Westen verbreitet, „nicht jedoch im Süden“.

Denn im Süden hat der Beutel seinen eigenen Namen. „Im Süden Deutschlands, vereinzelt auch im Westen, kennt man nämlich das Behältnis vor allem unter der Bezeichnung Schlampermäppchen.“ Das DWDS verortet das Wort heute etwas anders: in Deutschland, besonders im Südosten, oft im Südwesten, und beschreibt es als „kleine rechteckige oder zylindrische Tasche (meist aus Leder, Stoff oder Kunststoffgewebe), in dem Stifte o. Ä. unsortiert aufbewahrt und transportiert werden“.

Zwei Details dieser Definition sind aufschlussreich. „Rechteckig oder zylindrisch“: Das Schlampermäppchen muss kein runder Beutel sein, auch eine eckige Box kann eines sein, solange innen keine Ordnung vorgegeben ist. Und „unsortiert“: Das ist das eigentliche Merkmal, nicht die Form. Deshalb heißen auch große, kastenförmige Modelle mit einzelnen Gummibändern im Handel Schlamperbox — sie sind im Kern ungeordnet.

Und noch ein Wort nennt der Atlas, als „relativ neues Wort“: den Faulenzer, als Rolle oder Mäppchen, „hier und da im Norden und Westen“. Er ist das norddeutsche Gegenstück zum Schlamper, und wie dieser benennt er den Gegenstand nach einer Charaktereigenschaft.

Woher der Schlamper kommt — und warum er nicht beleidigt

Das Wort Schlamper steht im DWDS, nach dem Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache von 1976, mit einer Einordnung, die für ein Schulwort überrascht: „landschaftlich, besonders süddeutsch, salopp, abwertend“. Bedeutung: „nachlässiger, liederlicher Mensch“. Als Beleg dient ein Satz aus Brechts „Mutter Courage“: „wenn er ein Schlamper ist und kümmert sich um nix“.

Das Schlampermäppchen trägt also einen Namen, der ursprünglich einen unordentlichen Menschen bezeichnet. Übertragen auf den Gegenstand heißt das: ein Mäppchen, in dem es schlampig zugehen darf, weil nichts einen festen Platz hat. Es ist dieselbe Denkfigur wie beim Faulenzer, der im Norden für denselben Gegenstand steht: Ein Behälter wird nach der Haltung benannt, die er seinem Besitzer erlaubt.

Abwertend ist das zusammengesetzte Wort nicht. Das DWDS verzeichnet für Schlampermäppchen keine Stilmarkierung, und die Belege stammen aus ganz unaufgeregten Zusammenhängen. Der Münchner Merkur schreibt 2017: „Im Schlampermäppchen finden Schere, Spitzer und Kleber ein Zuhause.“ Schulen schreiben das Wort auf ihre Listen, neun von 16, die wir für die erste Klasse ausgezählt haben, darunter auch Schulen im Norden. Hersteller setzen es in ihre Produkttitel.

Wann das Wort entstanden ist, sagt keine der Quellen, die wir herangezogen haben. Der Atlas führt es 2006/07 als im Süden verbreitet, und die Belege, die das DWDS zeigt, reichen bis 2007 zurück. Belegt ist damit nur, dass es seit mindestens knapp 20 Jahren im Zeitungsdeutsch steht. Wie lange es davor schon im Klassenzimmer gesprochen wurde, bleibt offen.

Für Eltern bedeutet das: Wer „Schlampermäppchen“ auf der Liste liest, muss nichts Unordentliches kaufen, sondern einen Beutel ohne Schlaufen, meist für Schere, Kleber und Spitzer. Der Name beschreibt, wie es darin aussehen darf, nicht, wie das Kind sein soll.

Aufschlussreich ist, wie das DWDS die beiden Einträge datiert. Schlamper als Person stammt aus dem Wörterbuch von 1976, Schlampermäppchen als Behälter ist ein Eintrag von 2022. Rund 46 Jahre liegen zwischen den beiden Einträgen, und in dieser Zeit ist aus einem Schimpfwort mit Brecht-Beleg ein Schulwort mit Zeitungsbelegen geworden.

Warum in der Federmappe keine Feder mehr steckt

Das erste Glied im Wort Federmappe, Federtasche, Federkästchen, Federpennal erinnert an ein Schreibgerät, das in keinem Mäppchen mehr liegt. Das DWDS nennt den Federkiel, den Schaft der Vogelfeder, eine „historisch als Schreibgerät verwendete Vogelfeder“, mit dem Beleg: „um 1800 … schrieb man noch mit einem spitz geschnittenen Federkiel“. Das ist gut 220 Jahre her.

Danach übernahm die Stahlfeder den Namen. Das DWDS beschreibt sie als „spitz zulaufendes, in zwei federnde Hälften gespaltenes Metallplättchen, das in einen Federhalter eingesetzt wird und zum Schreiben mit Tinte … dient“. Der Federhalter war ein Stiel, die Feder das austauschbare Ende. Ein Griffelkasten aus den 1950er Jahren im Museum Merseburg enthält noch einen „Federhalter mit dazugehörigen Federn“.

Die österreichische Form hält die Herkunft noch deutlicher fest. Federpennal geht nach dem Atlas, der sich auf das etymologische Wörterbuch von Kluge beruft, auf „Pennal ‘Federbüchse’, zu lat. penna ‘Feder’“ zurück. Das DWDS führt Pennal auf mittellateinisch pennale ‚Federbüchse‘ zurück, das wiederum auf spätlateinisch penna ‚Schreibfeder‘ und lateinisch penna ‚Feder, Flügel‘. Pennal war im Deutschen übrigens auch ein veraltetes Schülerwort für die höhere Schule, woher der Pennäler kommt.

Mit dem Füller änderte sich das Schreibgerät ein weiteres Mal, das Wort nicht. Pelikan nennt in seiner Chronik 1809 als Jahr des ersten Füllhalter-Patents in England, 1878 für das erste deutsche Reichspatent, 1929 als Beginn der Ära des Kolbenfüllers und 1960 als Beginn der Verbreitung des Patronenfüllers. Heute steht der Füller auf 9 von 12 Klasse-5-Listen, die wir ausgezählt haben, und Mappen für ältere Kinder haben eine Schlaufe für ihn oder ein Fach für die Patronen.

Die Feder im Namen ist also ein Fossil, und ein sehr stabiles. Nur der Griffel hat es zu einem eigenen Behälternamen gebracht, dem Griffelkasten. Bleistift, Filzstift und Füller haben keinen; die Mappe heißt nach dem Gerät, mit dem vor mehr als 200 Jahren geschrieben wurde.

Federpennal, Etui, Griffelschachtel: Österreich, Schweiz, Südtirol

Jenseits der deutschen Grenzen wird das Bild einfacher, nicht bunter. In den drei Nachbarregionen, die der Atlas erfasst, gibt es jeweils ein vorherrschendes Wort, und es gilt meist für beide Bauformen.

Österreich sagt Federpennal, daneben Federschachtel. Für den Beutel gilt dasselbe Wort, Federschachtel „seltener“. Das Wort bewahrt, wie oben beschrieben, die lateinische penna und damit die Feder in doppelter Form: einmal deutsch, einmal lateinisch. Federpennal heißt, streng genommen, Federfederbüchse.

Die Schweiz benutzt „das aus dem französischen stammende Etui“, für die Mappe wie für den Beutel. Das DWDS führt Etui auf gleichbedeutendes französisches étui zurück und nennt für die Bedeutung Stiftebehälter die Schweiz und Westfalen als Schwerpunkte. In Westfalen und am Niederrhein heißt es auch Schuletui — hier trifft sich der Wortschatz eines Teils Nordwestdeutschlands mit dem der Schweiz, über eine Entfernung von mehreren hundert Kilometern hinweg.

Südtirol sagt Griffelschachtel, und nach dem Atlas ist das Wort auch in Vorarlberg bekannt. Es ist das einzige der verbreiteten Wörter, das nicht nach der Feder, sondern nach dem Griffel benannt ist, dem Schreibstift für die Schiefertafel. Das Synonymverzeichnis, das im DWDS neben den Einträgen steht, führt Griffelschachtel als südtirolerisch; in Deutschland hat sich aus derselben Wurzel nur der historische Griffelkasten gehalten.

Für Familien, die zwischen den Ländern umziehen oder Verwandte jenseits der Grenze haben, ergibt sich daraus eine praktische Regel: Etui versteht man in der Schweiz und im Nordwesten Deutschlands, Federpennal in Österreich, Federmappe fast überall in Deutschland. Das Schlampermäppchen dagegen stammt aus dem Süden, ist aber, wie die Schullisten zeigen, längst weiter gewandert, und es meint überall nur den Beutel.

Bemerkenswert ist, dass in allen drei Nachbarregionen das Wort für die Mappe auch den Beutel meint. Der Unterschied, den Süddeutschland mit Federmäppchen und Schlampermäppchen so deutlich macht, fehlt dort sprachlich. Ob man in Wien, Zürich oder Bozen deshalb seltener zwei Mäppchen kauft, sagen unsere Quellen nicht; sie zeigen nur, dass die Sprache es dort nicht verlangt, beide auseinanderzuhalten.

Was die Schulen auf ihre Listen schreiben

Der Atlas erhebt, was man sagt. Die Schullisten zeigen, was man schreibt, und zwar in dem Moment, in dem es darauf ankommt, weil Eltern danach einkaufen. Wir haben die Wörter auf den 16 Klasse-1-Listen ausgezählt, die wir für den Themenbereich erhoben haben.

Für das Hauptmäppchen schreiben 6 Schulen Federmappe, 5 Mäppchen, 3 Federmäppchen, eine Federkästchen und eine Federtasche. Die Verteilung folgt dem Atlas ziemlich genau. Mäppchen steht bei den Schulen in Mainz, Saarbrücken und einer weiteren in Rheinland-Pfalz, dazu in Frankfurt und Wertheim. Federmäppchen schreiben zwei Schulen in Bayern und eine in Magdeburg. Federkästchen steht bei der Schule im westlichen Sachsen, Federtasche bei der Schule in Schleswig-Holstein.

Für das zweite Behältnis ist das Bild auffälliger. 8 Schulen schreiben Schlampermäppchen, eine Schlamper-Mäppchen, eine Faulenzer, eine Schlumpermappe; 5 verlangen kein zweites Behältnis. Das Schlampermäppchen steht damit auf 9 von 16 Listen, und nicht nur im Süden: auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Rheinland-Pfalz und in Elmshorn in Schleswig-Holstein. Der Faulenzer steht bei einer Schule in Niedersachsen, also im Norden, wie der Atlas ihn verortet.

Das ist ein Hinweis, mehr nicht, denn 16 Listen sind keine Erhebung. Aber er passt zu dem, was das DWDS knapp 15 Jahre nach der Atlas-Umfrage notiert: Schlampermäppchen gilt dort nicht mehr als süddeutsch, sondern als deutsch mit Schwerpunkt im Südosten und Südwesten. Das Wort scheint gewandert zu sein, zusammen mit dem Gegenstand.

Ab Klasse 5 werden die Wörter spärlicher. Auf den zwölf Klasse-5-Listen, die wir ausgewertet haben, steht meist „Mäppchen“ oder gar kein Behältnis, nur eine Aufzählung. Die Oberschule in Groitzsch schreibt „Steckfedermappe“, die Grundschule in Bestensee „Federtasche“ und „Extra-Federtasche“, das Gymnasium in Dörpen „Federmappe“.

Wie die sechzehn Listen im Einzelnen aussehen, mit Schule, Land und Wortlaut, zeigt die Auszählung der Listen für die erste Klasse.

Die Wörter in Zahlen: Anteile auf 22 Schullisten

Wörter lassen sich zählen, und die Zählung macht sichtbar, wie verschieden die Schulen dieselben Dinge nennen. Die Anteile beziehen sich auf die 16 Klasse-1-Listen und die zwölf Klasse-5-Listen, die wir für den Themenbereich erhoben haben.

Das Hauptmäppchen in Klasse 1. Federmappe steht auf 6 von 16 Listen, also auf 38 Prozent. Mäppchen folgt mit 5 Listen, 31 Prozent. Federmäppchen schreiben 3 Schulen, 19 Prozent. Federkästchen und Federtasche kommen auf je eine Liste, je 6 Prozent. Kein Wort erreicht die Hälfte.

Das zweite Behältnis in Klasse 1. Schlampermäppchen, mit der Schreibweise „Schlamper-Mäppchen“, steht auf 9 von 16 Listen, 56 Prozent. Faulenzer und Schlumpermappe stehen auf je einer Liste, je 6 Prozent. 5 Listen, 31 Prozent, verlangen kein zweites Behältnis. Anders als beim Hauptmäppchen hat hier ein Wort die Mehrheit.

Klasse 5. Von zwölf Listen nennen sechs überhaupt ein Behälterwort, 50 Prozent: Mäppchen dreimal, Federmappe, Federtasche und Steckfedermappe je einmal. Die übrigen zählen nur den Inhalt auf. Was sie verlangen, ist deutlicher als das Wort: das Geodreieck auf 100 Prozent der Listen, den Zirkel auf gut 91 Prozent, den Füller auf 75 Prozent.

Der Atlas zum Vergleich. Er kartiert je Ort die häufigste Antwort und eine zweite, wenn sie mehr als 35 Prozent der Nennungen erreicht. Eine Liste ist dagegen eine einzige Antwort pro Schule. Beides zusammen ergibt kein genaues Bild, aber ein stimmiges: Das Wort für die Mappe ist regional zersplittert, das Wort für den Beutel hat sich auf den Listen weitgehend auf eines geeinigt.

Dass ausgerechnet der Schlamper, ein Wort mit abwertendem Grundwort und süddeutscher Herkunft, auf mehr als der Hälfte der Listen steht, auch in Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt, ist die vielleicht überraschendste Zahl dieser Seite.

Faulenzer, Schlumpermappe, Kramtasche: die jüngeren Wörter

Neben den etablierten Namen gibt es eine Reihe von Wörtern, die seltener, jünger oder örtlich begrenzt sind. Sie zeigen, dass die Benennung des Beutels noch in Bewegung ist.

Faulenzer nennt der Atlas „ein relativ neues Wort“, als Rolle oder Mäppchen, „hier und da im Norden und Westen“. Im DWDS hat das Wort diese Bedeutung noch nicht; dort steht der Faulenzer als Person, die nichts tut, und als Zeichen in der Notenschrift, das Takte wiederholt. Im Handel ist er angekommen: Herlitz verkauft einen „Faulenzer“ mit zwei Außentaschen. Und die Grundschule im niedersächsischen Ovelgönne verlangt ihn auf der Liste.

Schlumpermappe steht auf der Liste einer Grundschule in Thüringen. Das Wort taucht weder im Atlas noch im DWDS auf. Es klingt wie eine regionale Lautvariante von Schlamper; belegen lässt sich das mit unseren Quellen nicht.

Kramtasche führt das Synonymverzeichnis openthesaurus, das im DWDS neben den Einträgen erscheint, mit dem Zusatz „verstreut“. Auch hier steht eine Eigenschaft im Namen: Man kramt darin.

Faulenzer, Schlamper, Kramtasche — alle drei Wörter benennen den Beutel nach dem, was man mit ihm tut oder was man in ihm vermisst: Ordnung. Die Mappe dagegen heißt nach ihrem Material oder ihrer Form: Mappe, Tasche, Kästchen, Etui. Die Sprache hat für den geordneten Behälter neutrale Namen und für den ungeordneten Charakternamen.

Ob der Beutel auch der jüngere der beiden Gegenstände ist, sagen unsere Quellen nicht. Die Mappe mit Fächern hat im Griffelkasten jedenfalls einen belegten Vorgänger, der Beutel keinen, den wir gefunden hätten.

Der Griffelkasten: was in 168 Millimeter Holz passte

Wer wissen will, wie die Federmappe entstanden ist, muss auf ihren Vorgänger schauen. Das Kulturhistorische Museum Schloss Merseburg zeigt einen Griffelkasten aus den 1950er Jahren, und seine Beschreibung ist ein kleines Inventar einer Schulzeit.

Der Kasten ist „ein langes, schmales Holzkästchen“, 168 Millimeter lang und 49 Millimeter breit. Der Deckel ist mit einer farbigen Landschaftslithographie verziert und lässt sich herausziehen. Innen sind „drei ovale Fächer eingelassen“. Darin: ein Federhalter mit Federn, zwei Bleistifte, ein Buntstift, ein Radiergummi und fünf Griffel. Zusammen zehn Teile, wenn man die Federn als eines zählt.

Zum Vergleich: Die gefüllten Mäppchen, die wir heute ausgezählt haben, tragen 28 bis 42 Teile, und die leeren Mappen sind außen 20 bis gut 25 Zentimeter lang, der Griffelkasten keine 17 Zentimeter. Er hatte keine Schlaufen, sondern Fächer, ins Holz gefräst — das Prinzip der festen Ordnung war also schon da, bevor es Gummischlaufen gab.

Der Griffel war der Grund für den Kasten. Er war ein Stift zum Schreiben auf der Schiefertafel, und nach der Beschreibung des Museums wurde in Grund- und Volksschulen „bis in die 1970er Jahre mit Griffeln auf Schiefertafeln geschrieben“. Das Osnabrücker Schulmuseum schreibt ähnlich, diese Art der Schreibtafel sei „bis in die 1970er Jahre … in manchen Gegenden in Gebrauch“ gewesen. Die Tafel war in einen Holzrahmen gefasst, auf einer Seite liniert, auf der anderen kariert, und der Schwamm zum Abwischen hing an einem Bändchen außen am Ranzen.

Die Wörter Schiefermappe und Schieferkästchen, die der Atlas aus Sachsen meldet, bewahren diese Zeit bis heute. Sie benennen die Federmappe nach einem Material, das in keiner mehr steckt, genau wie die Feder im Wort Federmappe.

Warum überhaupt Schiefer? Das Osnabrücker Schulmuseum nennt den Grund: Der Schiefer sei sehr brüchig gewesen und habe gutes Polstern im Ranzen verlangt, aber „in Zeiten, in denen Papier sehr teuer oder einfach nicht zu beschaffen war“, seien die Vorteile nicht von der Hand zu weisen gewesen. Die Tafel ließ sich immer wieder beschreiben. Der Griffelkasten war damit ein Behälter für ein Schreibgerät, das Papier sparte — und die Federmappe, die ihm folgte, ein Behälter für Schreibgeräte, die Papier brauchen.

Der Merseburger Kasten ist auch ein Maßstab für den Wandel des Inhalts. 5 Griffel, 2 Bleistifte, 1 Buntstift, 1 Radiergummi und ein Federhalter mit Federn passten auf 168 mal 49 Millimeter. Das heutige gefüllte Mäppchen mit den meisten Teilen, das wir ausgezählt haben, nennt 42 Teile, darunter 12 Buntstifte und 14 Tintenpatronen, auf 19,6 mal 13,2 Zentimetern. Die Fläche ist etwa dreimal so groß, die Zahl der Teile viermal so hoch.

Vier Zeitpunkte: vom Federkiel zur Schlamperbox

Aus den Quellen dieser Seite lässt sich eine kleine Zeitreise bauen. Sie hat Lücken, weil keine Quelle die ganze Geschichte erzählt, aber sie zeigt, wie sich der Inhalt verschoben hat und der Name nicht.

Um 1800: der Federkiel. Geschrieben wird mit einem „spitz geschnittenen Federkiel“, wie das DWDS belegt. Die Feder ist Werkzeug und Wortgeber zugleich; ein Behälter für sie heißt Federbüchse, lateinisch pennale.

1950er Jahre: der Griffelkasten. Schiefertafel und Griffel für das Schreibenlernen, daneben Federhalter mit Stahlfedern, Bleistifte, ein Buntstift, ein Radiergummi. Alles in einem Holzkasten von 168 Millimetern, mit drei Fächern.

Ab 1960: der Patronenfüller. Pelikan datiert den Beginn der Verbreitung des Patronen-Füllhalters auf 1960. Bis in die 1970er Jahre verschwindet nach den Museumsangaben die Schiefertafel aus den Schulen. Damit verliert der Griffelkasten seinen Anlass.

Heute: Mappe und Beutel. Die gefüllten Mäppchen im Handel zählen 28 bis 42 Teile, die Schulen verlangen in der ersten Klasse zu 69 Prozent ein zweites Behältnis für Schere und Kleber, meist ein Schlampermäppchen. Ab Klasse 5 kommen Geodreieck und Zirkel dazu, und mit der Schlamperbox, einem Kasten mit Trennfach, entsteht eine Mischform.

Was sich über gut 200 Jahre nicht geändert hat, ist das Wort. Die Feder im Namen hat den Federkiel, die Stahlfeder und den Griffel überlebt, Ob sie auch den Füller überdauert, wird sich zeigen; bisher hat sie jedes Schreibgerät überlebt, nach dem sie einmal hieß.

Zwischen den vier Zeitpunkten liegen große Abstände. Vom Federkiel um 1800 bis zum ersten deutschen Füllhalter-Patent 1878 vergingen nach der Pelikan-Chronik 78 Jahre, bis zum Kolbenfüller 1929 weitere 51 Jahre, bis zum Patronenfüller 1960 noch einmal 31 Jahre. Der Griffelkasten aus Merseburg ist jünger als der Kolbenfüller und älter als die Patrone; er stammt aus der Zeit, in der beide Schreibwelten nebeneinander bestanden: die Tafel für das Schreibenlernen, der Federhalter für das Heft. Seit dem Patronenfüller sind 66 Jahre vergangen, seit dem Ende der Schiefertafel in den 1970er Jahren rund 50 Jahre.

Schüleretui, Schlamperbox, Schulmäppchen: die Wörter im Handel

Der Handel hat seine eigene Wortgeographie, und sie folgt nicht der Region, sondern der Suchmaschine. In den Angebotstiteln der Mäppchen, die wir für drei Vergleiche erhoben haben, stehen die Wörter nebeneinander, oft mehrere in einem Titel.

Schüleretui schreiben die Schreibwarenhäuser: Herlitz, itenga und Eberhard Faber nennen ihre gefüllten Mappen so, ein Wort, das im Atlas nur als Schuletui im Nordwesten vorkommt. Federmäppchen steht bei Eastpak, bei Baagl und bei den kleineren Mappen von ergobag. Schulmäppchen nennt WEDO seinen Köcher.

Auf der anderen Seite stehen die Schlamper-Wörter. coocazoo verkauft ein „Schlampermäppchen“ mit Fächern für Geodreieck und Zirkel, Dakine sein School Case XL als „Schlampermäppchen 24 cm“, satch seine Box als „Schlamperbox“. Und Herlitz führt einen „Faulenzer“.

Zwei Beobachtungen dazu. Erstens: Die Schlamper-Wörter stehen in unserem Feld bei den großen Mappen für ältere Kinder, den Boxen mit Trennfach eingeschlossen, aber auch bei kleinen Beuteln für die Grundschule wie der Schlamperrolle von ergobag. Das Wort meint die Bauform, nicht das Alter. Zweitens: Die Hersteller aus der Schulrucksack-Welt benutzen das süddeutsche Wort bundesweit. satch und ergobag gehören zur FOND OF GmbH in Köln, coocazoo und Step by Step zur Hama GmbH in Monheim in Bayern. Ein Kölner Unternehmen verkauft eine Schlamperbox.

Für Eltern bedeutet das: Wer im Netz sucht, sollte beide Wortfamilien ausprobieren. Eine Mappe mit Fächern für das Geodreieck findet man eher unter „Schlampermäppchen“, eine gefüllte Grundschulmappe eher unter „Schüleretui“ oder „Federmäppchen“.

Wie die gefüllten Schüleretuis im Einzelnen bestückt sind und was ihre Teilezahl bedeutet, zerlegt der Vergleich gefüllter Federmappen.

Wie viele Käufer sich hinter den Wörtern versammeln, zeigen die Stimmenzahlen der Angebote, die wir erhoben haben. Die satch Schlamperbox kommt auf 9.543 Stimmen, das coocazoo Schlampermäppchen auf 652, das Dakine School Case XL auf 638, der Herlitz Faulenzer auf 704. Unter den Schüleretuis hat das 42-teilige von Eberhard Faber 791 Stimmen, das Herlitz TriCase 207, das itenga-Etui 280. Die Zahlen gelten jeweils für das ganze Angebot mit allen Motiven. Sie zeigen nicht, welches Wort häufiger gesagt wird, aber welche Bauform häufiger gekauft wird: die große Box mit dem Schlamper-Namen liegt weit vorn.

Eine dritte Wortschicht kommt aus dem Englischen. Dakine nennt sein Mäppchen „School Case XL“, satch seinen Köcher „Pencil Slider“, und das meistbewertete Canvas-Etui in unserer Suche heißt im Titel schlicht „Pencil case“. Im Atlas kommen diese Wörter nicht vor; sie stehen auf Verpackungen, nicht auf Schullisten. Keine der 28 Listen, die wir ausgezählt haben, benutzt ein englisches Wort für das Mäppchen.

Zwei Mäppchen nebeneinander: was die Schulen damit wollen

Dass eine Schule zwei Behälter verlangt, hat einen praktischen Grund, und die Listen zeigen ihn an dem, was sie in welches Behältnis schreiben. Die Mappe mit Schlaufen nimmt die Stifte, die täglich gebraucht werden; das zweite Behältnis Schere, Klebestift und oft den Spitzer. Der Münchner Merkur fasste es 2017 in einem Satz: „Im Schlampermäppchen finden Schere, Spitzer und Kleber ein Zuhause.“

In der ersten Klasse verlangen 11 von 16 Listen, die wir ausgezählt haben, ein solches zweites Behältnis, also 69 Prozent. Die Grundschule Kuhstraße in Velbert schließt es dagegen ausdrücklich aus: keine Schlamperrolle. Ab Klasse 5 wird das zweite Behältnis seltener. Nur eine der zwölf Listen, Bestensee in Brandenburg, verlangt eine Extra-Federtasche — für Zirkel, Klebestift, Schere und Anspitzer mit Gefäß.

Der Sinn der Trennung ist zweifach. Schere und Kleber passen nicht in Schlaufen. Und Kleber und Spitzerdose können schmutzen; im zweiten Behältnis bleibt das von den Stiften getrennt.

Mit dem Schulwechsel kann sich das Verhältnis umkehren. Die Stifte werden weniger unterschiedlich, das Werkzeug mehr: Geodreieck, Zirkel, Füller. Eine Schlamperbox mit Trennfach kann dann beide Aufgaben übernehmen, und die Mappe mit Schlaufen bleibt zu Hause oder wird zur Buntstiftmappe für den Kunstunterricht.

Wo die beiden Mäppchen im Schulranzen Platz finden und wie schwer sie zusammen werden, gehört zu den Themen der Übersicht zu Schulranzen.

Am deutlichsten zeigen die bayerischen Listen das Paar. Die Grundschule St. Nikola in Landshut und die Grund- und Mittelschule in Buch am Erlbach schreiben beide „Federmäppchen“ für das Hauptmäppchen und „Schlampermäppchen“ für das zweite, also genau die beiden Wörter, die der Atlas im Süden für die beiden Bauformen nennt. In Elmshorn steht „Federtasche“ neben „Schlampermäppchen“: das norddeutsche Wort für die Mappe, das süddeutsche für den Beutel, auf einer Liste. Dort, wo die Region kein zweites Wort hat, hat sich die Schule eines geliehen.

Aufklappen, ausschütten, aufstellen: die Bauformen im Unterricht

Die Sprache unterscheidet zwei Gegenstände, der Handel inzwischen eher vier Bauformen. Für den Unterricht zählt, wie ein Kind an seine Stifte kommt, und da ergeben sich drei Bewegungen.

Aufklappen ist die Bewegung der Mappe mit Schlaufen. Sie liegt offen auf dem Tisch, jeder Stift ist sichtbar, und wer einen braucht, zieht ihn heraus. Sie braucht Platz, etwa die doppelte Fläche wie geschlossen, und sie zeigt sofort, was fehlt.

Ausschütten ist die Bewegung des Beutels. Man greift hinein oder kippt ihn aus. Das ist schnell, aber der Inhalt liegt dann auf dem Tisch verstreut, und kleine Dinge rollen weg. Der Beutel eignet sich für Gegenstände, die man selten und einzeln braucht, wie Schere und Kleber.

Aufstellen ist eine jüngere Bewegung: der Köcher, dessen Hülle man herunterschiebt, bis die Stifte stehen. Er braucht wenig Fläche und zeigt alle Stifte, nimmt aber kein flaches Werkzeug auf. Im Atlas kommt er nicht vor; der Handel nennt ihn Butler, Slider oder Köcher.

Die Schlamperbox mit Trennfach verbindet zwei dieser Bewegungen: ein Hauptfach zum Hineingreifen und einzelne feste Plätze, etwa für das Geodreieck. Sprachlich ist sie ein Schlamper, praktisch eine Mischform.

Welche Bauform in welcher Größe zu welcher Liste passt und wie man prüft, ob die Stifte in die Schlaufen gehen, beschreibt der Vergleich leerer Federmappen.

Wie verschieden die Bauformen den Tisch belegen, zeigen die Herstellermaße aus unserem Vergleich für Klasse 5. Der Köcher von WEDO steht auf 8 mal 6 Zentimetern. Die satch Schlamperbox liegt geschlossen auf 22 mal 10 Zentimetern, das coocazoo Schlampermäppchen auf 24 mal 11 Zentimetern. Eine aufgeklappte Mappe mit zwei Klappen braucht etwa das Doppelte ihrer geschlossenen Fläche. Auf einem Schultisch, auf dem Heft und Buch schon liegen, ist das der Unterschied zwischen Platz und Gedränge.

Eine These: Die Schlaufenmappe ist ein Grundschulgegenstand

Aus Listen, Handel und Sprache lässt sich eine These ableiten, die nicht jeder teilen wird: Die Mappe mit Schlaufen ist ein Gegenstand der Grundschule, und mit dem Wechsel in die fünfte Klasse übernimmt der Schlamper.

Dafür spricht erstens, was die Hersteller schreiben. Herlitz schreibt über seine Schüleretuis, die Füllung sei „auf den Bedarf von Schülerinnen und Schülern in der Primarstufe ausgerichtet“. coocazoo bewirbt sein Schlampermäppchen mit Fächern für Geodreieck und Zirkel „ab der 3. Klasse“. Zweitens die Listen: Von zwölf Klasse-5-Listen verlangt eine ausdrücklich eine Mappe mit Schlaufen, die übrigen lassen die Form offen oder nennen nur den Inhalt. Drittens das Werkzeug: Geodreieck und Zirkel stehen auf allen oder fast allen Klasse-5-Listen, und keines von beiden passt in eine Schlaufe.

Dagegen spricht ebenfalls einiges. Die Oberschule in Groitzsch verlangt ausdrücklich eine Steckfedermappe mit zwei Füllern, Bleistiften und Finelinern. Baagl verkauft ein Klappenetui ausdrücklich für ältere Schulkinder und Jugendliche. Und wer drei Bleistifte verschiedener Härte und vier Fineliner auseinanderhalten muss, wie es mehrere Gymnasien verlangen, ist mit festen Plätzen besser bedient als mit einem Beutel.

Die ehrlichste Fassung der These ist deshalb eine schwächere: Ab Klasse 5 verliert die Schlaufenmappe ihre Alleinstellung. Sie wird eine von mehreren Möglichkeiten, und die Mischform aus Box und Trennfach nimmt ihr einen Teil der Aufgaben ab. Welche Form ein Kind ab Klasse 5 braucht, entscheidet dann nicht mehr die Tradition, sondern die Länge des Geodreiecks und die Zahl der Stifte, die einen festen Platz brauchen.

Wie lang ein Geodreieck ist und welche Mappen es der Länge nach aufnehmen, misst der Vergleich der Mappen für die weiterführende Schule.

Die Zahlen hinter der These sind schlicht. Das übliche Geodreieck hat eine lange Kante von 16 Zentimetern, die Zirkel eines großen Herstellers sind 14,6 bis 17 Zentimeter lang. Die leeren Grundschulmappen, die wir verglichen haben, sind außen 20 bis 23 Zentimeter lang, und ihre Schlaufen sind für Stifte gemacht, deren dickstes Format ein Spitzerhersteller mit 10,2 Millimetern angibt. Ein flaches Dreieck von 8 Zentimetern Höhe hat darin keinen eigenen Platz; es liegt obenauf.

Wenn die Liste aus einer anderen Region stammt: wie Missverständnisse entstehen

Die meisten Missverständnisse rund um die Mäppchen-Wörter entstehen nicht aus Unwissen, sondern weil jemand das Wort seiner Region für das allgemeine hält. Drei Fälle lassen sich aus den Quellen dieser Seite ableiten.

Die Federtasche, die zwei Dinge meint. Wer im Norden aufgewachsen ist, sagt Federtasche zur Mappe und zum Beutel, weil es dort nach dem Atlas oft kein zweites Wort gibt. Zieht die Familie in den Süden, schreibt die neue Schule „Federmäppchen und Schlampermäppchen“ — und aus einem Wort werden zwei Einkäufe. Umgekehrt kann eine Familie aus dem Süden im Norden mit der Liste „Federtasche“ nicht wissen, ob Schlaufen gemeint sind. Die Liste aus Elmshorn löst das, indem sie Federtasche und Schlampermäppchen nebeneinander schreibt.

Das Etui, das nach Luxus klingt. Im Hochdeutschen ist ein Etui eine Hülle für Brille, Besteck oder Schmuck; das DWDS nennt als allgemeine Bedeutung eine „Hülle oder kleiner, flacher Behälter für kleine Gegenstände“. In der Schweiz und in Westfalen ist es schlicht die Federmappe. Wer „Schuletui“ auf einer Liste aus Westfalen liest, sucht nichts Besonderes, sondern das Alltägliche.

Der Schlamper, der nach Tadel klingt. Wer das Wort nicht kennt, hört das Abwertende im Grundwort, das das DWDS ausdrücklich verzeichnet. Wer so hört, findet die Antwort im Wörterbuch: Das zusammengesetzte Wort hat keine abwertende Markierung, und es ist schlicht der Name für den Beutel.

Hinter allen drei Fällen steht dasselbe Prinzip, das der Atlas sichtbar macht: Die Alltagssprache ist regional. Eine Schulliste wird an einem Ort geschrieben und manchmal von Familien gelesen, die anderswo aufgewachsen sind. Wer unsicher ist, fragt am besten nicht nach dem Wort, sondern nach dem Gegenstand: mit Schlaufen oder ohne.

Was Eltern über die Wörter wissen wollen — im Zusammenhang beantwortet

Ein paar Fragen tauchen immer wieder auf, und sie lassen sich besser im Zusammenhang beantworten als einzeln, weil sie aneinander hängen.

Die erste ist die nach dem Unterschied zwischen Federmappe und Federmäppchen. Es gibt keinen, außer der Verkleinerung. Das DWDS führt beide mit derselben Bedeutung, verortet Federmappe aber eher im Mittelosten und Westfalen, Federmäppchen eher im Südosten. Die Schulen in Bayern schreiben Federmäppchen, die in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Federmappe, jedenfalls auf den Listen, die wir ausgezählt haben.

Daraus folgt die zweite Frage, ob es „der“ oder „das“ Etui heißt. Das DWDS sagt: das Etui, Plural Etuis. In der Schweiz wird es nach den Ausspracheangaben des DWDS anders betont als in Deutschland, aber mit demselben Artikel.

Die dritte Frage betrifft die Schlamperbox, die im Handel so häufig ist: Ist sie ein Schlampermäppchen? Nach der Definition des DWDS ja, denn dort darf das Schlampermäppchen „rechteckig oder zylindrisch“ sein, entscheidend ist, dass die Stifte „unsortiert“ liegen. Eine Box mit Trennfach und einigen Gummischlaufen liegt auf der Grenze; der Name Schlamperbox stellt sie auf die Seite des Beutels.

Die vierte Frage ist die nach dem richtigen Wort überhaupt. Es gibt keines. Der Atlas beschreibt Verbreitung, nicht Richtigkeit, und das DWDS führt alle diese Wörter als gleichwertige Synonyme mit regionalem Schwerpunkt. Richtig ist das Wort, das die Schule auf ihre Liste schreibt, weil es dort genau das bedeutet, was die Lehrkraft sehen will.

Welche weiteren Themen rund um den Schulstart und die Ausstattung wir behandeln, sammelt der Bereich Lernen und Schule.

Die fünfte Frage betrifft die Rolle. Der Atlas nennt den Faulenzer ausdrücklich auch als „-rolle“, ergobag verkauft eine „Schlamperrolle“, und die Grundschule in Velbert schließt eine Schlamperrolle auf ihrer Liste ausdrücklich aus. Die Rolle ist also eine dritte Form des Beutels: ein Stoffstück, in das die Stifte eingerollt werden, oft mit einigen Schlaufen. Sie gehört sprachlich zum Schlamper, praktisch liegt sie zwischen den beiden Bauformen, und mindestens eine Schule will sie ausdrücklich nicht sehen.

Sieben Fragen: Mappe, Schlamper oder beides

Wer vor dem Kauf steht und nicht weiß, welche Bauform es sein soll, kommt mit sieben Ja-Nein-Fragen zu einer Antwort. Die Reihenfolge ist wichtig.

1. Liegt die Schulliste vor? Wenn nein: warten. Die meisten Listen erscheinen im Juni oder Juli, und das Wort darauf entscheidet mit.

2. Nennt die Liste zwei Behälter? Wenn ja, sind es fast immer eine Mappe mit Schlaufen und ein Beutel, gleich wie sie heißen. Dann ist die Frage beantwortet: beides.

3. Verlangt die Liste dicke oder dreieckige Stifte? Wenn ja, zuerst die Stifte kaufen und prüfen, ob sie in die Schlaufen der Mappe passen. Der Beutel nimmt sie ohnehin auf.

4. Stehen Geodreieck oder Zirkel auf der Liste? Wenn ja, reicht eine Grundschulmappe mit Schlaufen meist nicht; eine Box mit Trennfach oder ein Schlampermäppchen mit eigenem Fach ist die bessere Form.

5. Müssen mehrere ähnliche Stifte auseinandergehalten werden? Drei Bleistifthärten, vier Fineliner-Farben: Wenn ja, braucht es feste Plätze, also Schlaufen, zumindest für diese Stifte.

6. Schreibt die Liste eine Form vor? „Steckfedermappe“, „Federkästchen“, „Schlampermäppchen“: Wenn ja, gilt das Wort der Schule, auch wenn die eigene Region es anders nennt.

7. Soll die Mappe über den Schulwechsel hinaus halten? Wenn ja, ist eine Box mit Trennfach und einigen Schlaufen der vernünftigste Kompromiss. Wenn nein, genügt für die Grundschule die Klappenmappe plus Beutel.

Welche Bauform für welches Kind — nach Klassenstufe

Am Ende lässt sich die Sprachgeschichte in eine einfache Ordnung übersetzen, die sich an der Schullaufbahn orientiert und nicht an der Region.

Erste und zweite Klasse: die Mappe mit Schlaufen für Bleistifte und Buntstifte, dazu ein kleiner Beutel für Schere, Kleber und Spitzer. So verlangen es 11 von 16 Listen, die wir ausgezählt haben. Wie die Mappe heißt, hängt vom Ort ab; wie sie gebaut ist, von der Liste.

Dritte und vierte Klasse: Der Füller kommt an manchen Schulen dazu, die Mappe braucht eine Schlaufe für ihn und einen sicheren Platz für Patronen. Die Mappe mit Schlaufen bleibt die Hauptform; wer jetzt eine größere kauft, denkt an das Geodreieck.

Ab der fünften Klasse: Geodreieck und Zirkel werden Pflicht, auf allen zwölf beziehungsweise elf von zwölf Listen, die wir ausgewertet haben. Die Mappe muss lang genug sein, und eine Box oder ein Schlampermäppchen mit Fächern ist oft die bessere Wahl. Die alte Mappe mit Schlaufen kann als Buntstiftmappe weiterlaufen.

Die Wörter wechseln dabei nicht, nur die Gegenstände dahinter. Wer in Landshut aufwächst, nimmt in der ersten Klasse ein Federmäppchen und ein Schlampermäppchen mit, in der fünften vielleicht nur noch eine Schlamperbox. Wer in Elmshorn aufwächst, sagt zu beidem vielleicht Federtasche. Gemeint ist in beiden Fällen dasselbe: ein Ort für die Stifte, geordnet oder nicht.

Wie die Mappe über die Schuljahre wechselt und welche Seite zu welchem Zeitpunkt hilft, ordnet die Übersicht über Federmappen.

Zwischen der ersten und der fünften Klasse gibt es einen Übergang, den die Listen gut zeigen. Die Nicolaischule in Verden verlangt in Klasse 3 einen Tintenroller oder Füller mit Patronen und zusätzlich ein Lineal von 30 Zentimetern, das in keine Mappe passt. Das Geodreieck steht dagegen auf keiner der 16 Klasse-1-Listen, und ergobag schreibt, es sei in den ersten vier Schuljahren nicht unbedingt notwendig. Die Mappe mit Schlaufen reicht damit meist durch die Grundschule; erst der Wechsel bringt die Werkzeuge, für die sie nicht gebaut ist.

Was diese Seite nicht beantworten kann

Aktuelle Verbreitung. Die Atlas-Umfrage stammt von 2006/07. Ob sich die Wörter seither verschoben haben, lässt sich nur an Hinweisen wie den Schullisten und den jüngeren Angaben im DWDS ablesen, nicht messen.

Alter der Wörter. Wann Schlampermäppchen und Faulenzer entstanden sind, sagt keine der herangezogenen Quellen.

Die Schullisten. 16 Listen für Klasse 1 und sechs mit Behälterwort für Klasse 5 sind keine Stichprobe für ein Land; sie zeigen, was Schulen schreiben, nicht, was alle Schulen schreiben.

Die Karten. Wir geben den Kommentar des Atlas wieder, nicht seine Karten; wer die genaue Verteilung sehen will, findet sie auf den Seiten des Atlas. Wie wir Quellen auswählen und mit Abrufdatum führen, steht auf unserer Quellenseite.

Fragen zu Schlamper, Federmappe und Etui

Was ist der Unterschied zwischen Federmäppchen und Schlampermäppchen?

Das Federmäppchen ist flach und rechteckig und hat Schlaufen, in denen jeder Stift einen festen Platz hat. Das Schlampermäppchen ist ein Beutel oder eine kleine Tasche, in der alles ungeordnet liegt. Der Atlas zur deutschen Alltagssprache fragt beide Gegenstände getrennt ab, weil sie in vielen Regionen verschiedene Namen haben.

Warum heißt es Schlampermäppchen?

Weil darin alles durcheinander liegt. „Schlamper“ ist ein landschaftliches, vor allem süddeutsches Wort für einen nachlässigen Menschen; das DWDS führt es als salopp und abwertend. Das Mäppchen trägt den Namen, weil man darin nicht ordnet, sondern hineinwirft.

Ist Schlampermäppchen ein Schimpfwort?

Nein. Das Grundwort „Schlamper“ ist abwertend, das zusammengesetzte Wort ist es nicht; Schulen schreiben es auf ihre Materiallisten, Hersteller in ihre Produkttitel. Von 16 Klasse-1-Listen, die wir ausgezählt haben, nennen 9 ein Schlampermäppchen.

Was ist ein Faulenzer?

Ein anderes Wort für das Mäppchen ohne Schlaufen, als Rolle oder Beutel. Der Atlas zur deutschen Alltagssprache nennt es ein relativ neues Wort, das im Norden und Westen verwendet wird. Eine Grundschule in Niedersachsen schreibt es auf ihre Liste; im DWDS steht diese Bedeutung noch nicht.

Was ist eine Federtasche?

Das Wort, das im Norden und Nordosten Deutschlands für die Federmappe gilt, und dort oft auch für das Mäppchen ohne Schlaufen. Nach dem Atlas ist es auch in fast allen ostdeutschen Ländern verbreitet. Eine Grundschule in Brandenburg verlangt für Klasse 5 eine „Federtasche“ und eine „Extra-Federtasche“.

Wie heißt die Federmappe in Österreich?

Federpennal, daneben Federschachtel. Pennal geht nach Kluge auf ein Wort für Federbüchse zurück, zu lateinisch penna, Feder. In Südtirol, auch in Vorarlberg bekannt, heißt der Gegenstand Griffelschachtel.

Wie sagt man in der Schweiz?

Etui, ein Wort aus dem Französischen, und zwar für beide Bauformen, mit und ohne Schlaufen. In Deutschland sagt man Etui oder Schuletui vor allem am Niederrhein, in Westfalen und im südlichen Niedersachsen.

Warum heißt es Federmappe, obwohl keine Feder drin ist?

Weil das Wort aus der Zeit stammt, in der mit Federn geschrieben wurde, zuerst mit Federkielen aus Vogelfedern, später mit Stahlfedern in einem Federhalter. Ein Griffelkasten aus den 1950er Jahren im Museum Merseburg enthält noch einen Federhalter mit Federn. Das Wort ist geblieben, die Feder ist durch Bleistift und Füller ersetzt.

Was ist ein Griffelkasten?

Der Vorgänger der Federmappe: ein schmales Holzkästchen mit Schiebedeckel für die Griffel, mit denen auf der Schiefertafel geschrieben wurde. Ein Exemplar aus den 1950er Jahren misst 168 mal 49 Millimeter. Auf Schiefertafeln wurde nach Museumsangaben in manchen Gegenden bis in die 1970er Jahre geschrieben.

Braucht mein Kind beides?

Das entscheidet die Schulliste. In der ersten Klasse verlangen 11 von 16 Listen, die wir ausgezählt haben, ein zweites Behältnis für Schere und Kleber, meist ein Schlampermäppchen. Ab Klasse 5 lassen die Listen die Form meist offen; von zwölf, die wir ausgezählt haben, verlangt eine ausdrücklich eine Mappe mit Schlaufen, eine zweite ein zusätzliches Behältnis.

Was ist eine Schlamperbox?

Ein größeres, kastenförmiges Schlampermäppchen, meist mit einem Trennfach und einigen Gummischlaufen. Der Name ist vor allem ein Produktname; satch etwa verkauft seine Box so. Sie steht zwischen den Bauformen: ungeordnetes Hauptfach, aber mit festen Plätzen für einzelne Dinge wie das Geodreieck.

Was ist eine Steckfedermappe?

Die Mappe mit Schlaufen, in die man die Stifte steckt. Das Wort steht auf der Klasse-5-Liste einer Oberschule in Sachsen; der Atlas nennt für Sachsen außerdem Federkästchen, Schiefermappe und Schieferkästchen.

Atlas, Wörterbuch und Museen, auf die sich diese Seite stützt

  1. 01Atlas zur deutschen Alltagssprache: Behältnis für Schreibutensilien, Frage 12a–b · abgerufen 27.09.2026
  2. 02Atlas zur deutschen Alltagssprache: Ergebnisse der vierten Befragungsrunde · abgerufen 27.09.2026
  3. 03DWDS: Schlampermäppchen · abgerufen 27.09.2026
  4. 04DWDS: Schlamper · abgerufen 27.09.2026
  5. 05DWDS: Pennal, Herkunft aus lateinisch penna · abgerufen 27.09.2026
  6. 06DWDS: Federtasche · abgerufen 27.09.2026
  7. 07DWDS: Federkiel · abgerufen 27.09.2026
  8. 08Kulturhistorisches Museum Schloss Merseburg: Griffelkasten, 1950er Jahre · abgerufen 27.09.2026
  9. 09Osnabrücker Schulmuseum: Schiefertafel · abgerufen 27.09.2026
  10. 10Pelikan: FAQ mit Chronik des Füllhalters · abgerufen 27.09.2026

Welche Quellen dieses Portal verwendet

Fassungen dieser Seite

  1. Ersterstellung: Wortgeographie nach dem Atlas zur deutschen Alltagssprache, Bedeutungen und Herkunft nach dem DWDS, Griffelkasten und Schiefertafel nach zwei Museen, Füllhalter-Chronik nach Pelikan; die Wörter auf 16 Klasse-1- und sechs Klasse-5-Listen ausgezählt.

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