Mikroskop-Präparate selbst machen: die ersten zehn mit Kindern
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Eine halbe Zwiebel, ein Tropfen Wasser, eine Luftblase
Samstagnachmittag, das Mikroskop steht seit einer Woche im Kinderzimmer, das Dauerpräparat aus dem Karton ist dreimal angeschaut. Jetzt soll etwas Eigenes unter das Objektiv. Auf dem Küchentisch liegen eine halbe Zwiebel, eine Pipette, ein Objektträger und eine Deckfolie. Zehn Minuten später schaut das Kind durch das Okular und sieht vor allem einen großen schwarzen Ring mit hellem Rand: eine Luftblase.
So geht es vielen, und die Anleitungen kennen das Problem. Kosmos widmet ihm einen eigenen Kasten mit dem Titel „Der Kampf gegen die Luftblasen“: Wasser an den Rand der Deckfolie tropfen, an der gegenüberliegenden Kante ein Stück Löschpapier anlegen, und der Tropfen wird unter das Deckglas gezogen. Bresser beschreibt, wie man sie gar nicht erst entstehen lässt: das Deckglas senkrecht am Rand des Wassertropfens ansetzen und langsam absenken.
Zwischen diesen beiden Handgriffen liegt fast alles, was ein Kind für ein gutes Präparat wissen muss. Dünn genug, dass Licht hindurchgeht; nass genug, dass nichts austrocknet; flach abgedeckt, damit das Objektiv nicht schmutzig wird; und mit der kleinsten Stufe begonnen. Wer das einmal geübt hat, kann die meisten Präparate aus den Anleitungen nachmachen.
Diese Seite ordnet die Präparate so, dass sie aufeinander aufbauen. Am Anfang stehen Dinge, die ohne Schneiden und Färben gelingen, am Ende ein Heuaufguss, der Tage braucht. Bei jedem Präparat steht, welche Anleitung es beschreibt, was man braucht, wie lange es dauert und mit welchem Gerät es gelingt.
Die Anleitungen sind unterschiedlich ausführlich. Als PDF umfasst die von Kosmos 36 Seiten, die von Clementoni 32 Seiten und die des VTech-Geräts 19 Seiten, in denen es vor allem um Bedienung, smarte Objektträger und Speicher geht. Für die Präparate sind Kosmos und Clementoni die ergiebigsten Quellen, Bresser ergänzt Schnitte, Dauerpräparate und lebende Tiere.
Frisch, trocken, dauerhaft: drei Arten Präparat
Clementoni unterscheidet in seiner Anleitung zwei Arten, ein Objekt anzusehen, und gibt ihnen Namen. Bei der Betrachtung von frischen Objekten liegt das Objekt in einem Tropfen Wasser und wird abgedeckt. Bei der Betrachtung von Trockenobjekten braucht es weder Wasser noch Abdeckung; ein Salzkorn oder ein Kristall wird einfach auf den Objektträger gelegt. Als Deckplättchen schneidet man bei Clementoni Quadrate von 2 Zentimetern aus einer durchsichtigen Kunststofffolie aus dem Set.
Das Frischpräparat ist der Normalfall. Kosmos schreibt, fast alle Objekte sollten im Wasser liegen, um ein wirklich gutes Bild zu erhalten, und jedes Objekt solle mit einer Deckfolie abgedeckt werden, auch um die Objektive vor Verschmutzung zu schützen. Bresser nimmt für den Tropfen destilliertes Wasser; Kosmos und Clementoni sprechen in den meisten Versuchen nur von Wasser.
Die dritte Art ist das Dauerpräparat, das Wochen oder Jahre hält. Fertige Dauerpräparate liegen fast jedem Kindermikroskop bei, bei Kosmos eines der Zwiebelhaut. Selbst herstellen lässt sich eines auf zwei Wegen: mit einem Einschlussmittel, wie es dem National-Geographic-Set als „Gum-Media“ beiliegt, oder mit Nagellack an den Ecken des Deckglases, wie Bresser es für Einsteiger empfiehlt.
Für Kinder heißt das: Frischpräparate sind schnell gemacht und dürfen misslingen. Sie trocknen nach einer Weile aus und werden abgewaschen. Ein Dauerpräparat lohnt erst, wenn ein Objekt so gut gelungen ist, dass man es aufheben möchte, etwa ein besonders dünner Schnitt oder ein seltenes Tierchen aus dem Teich.
Bei Deckgläsern aus Glas lohnt ein Blick auf die Dicke. Leica Microsystems schreibt, Objektive seien für ein Deckglas von 0,17 mm nach DIN und ISO gerechnet, und nennt die Sorten nach ISO 8255: Nummer 1 mit 0,13 bis 0,17 mm und Nummer 1.5 mit 0,16 bis 0,19 mm. Bis zu einer Objektivapertur von 0,30 spielt das Deckglas nach Leica keine Rolle, also bei den kleinen Stufen der Kindergeräte. Für Präparate unter dem stärksten Objektiv ist ein Deckglas der Sorte 1.5 die sichere Wahl.
Das Frischpräparat in sechs Schritten
Das Diagramm fasst zusammen, wie die Anleitungen ein Frischpräparat aufbauen. Jeder Schritt nennt die Unterlage, aus der er stammt, und die Panne, die bei diesem Schritt am häufigsten passiert. Die Reihenfolge läuft in der oberen Reihe von links nach rechts, in der unteren von rechts nach links zurück.
Zwei Schritte entscheiden über das Bild. Im dritten zeigt sich, ob das Objekt dünn genug ist; Kosmos nennt ein einfaches Zeichen: Liegt die Deckfolie schief, ist der Schnitt zu dick. Im vierten entstehen die Luftblasen, wenn das Deckglas flach aufgelegt statt schräg angesetzt wird. Wer diese beiden Schritte langsam macht, hat die halbe Arbeit getan.
Der sechste Schritt schützt das Gerät. Clementoni rät, den Objektträger mit ganz kleinen Bewegungen zu verschieben und das Rad zum Scharfstellen nie unkontrolliert zu drehen. Kosmos warnt, bei 600-fach sei das Objektiv so lang, dass man aufpassen müsse, nicht auf den Objektträger zu stoßen. Ein gebrochenes Deckglas oder eine Delle in der Frontlinse kostet mehr als jedes misslungene Präparat.
Was im Haus liegen muss, bevor es losgeht
Das meiste Material steht in den Kartons der Kindermikroskope. Kosmos legt vier Objektträger, eine Box mit Deckfolien aus Kunststoff, Pinzette, Präpariernadel, Pipette, zwei Probengefäße und eine Petrischale bei. Clementoni liefert Petrischale, Pipette, Messbecher, Reagenzgläser mit Stopfen, Lupe, Pinzette, Rührer, Spatel, Objektträger aus Kunststoff und eine Folie für Deckplättchen. Das Bresser Junior bringt Deckgläser, Dauerpräparate, Hefe und Eier von Urzeitkrebsen mit.
Was die Familie stellen muss, listet Kosmos am ausführlichsten: unter anderem Wasserglas, Teller, Teelöffel, Löschpapier oder Küchenpapier, weißes Papier, Zeitung, eine Rasierklinge, Gewebeband, einen wasserfesten Stift, Wattestäbchen, Styropor, Schnur, kleine Plastiktüten, ein Taschenmesser, Flaschenkorken und eine Schreibtischlampe. Clementoni schreibt dazu offen, das Set enthalte nicht alle Materialien für alle Experimente; sie seien zu Hause leicht zu finden.
Aus der Küche kommen die Untersuchungsobjekte: Zwiebel, Kartoffel, Tomate, Salz, Zucker, Honig, ein Stück rohes Fleisch. Aus dem Garten oder dem Park: Moos, Blätter, Pollen, Kiefernnadeln, Wasser aus Teich oder Regentonne. Für den Heuaufguss braucht es eine Handvoll Heu oder trockene Pflanzenreste und ein Glas mit etwa 1 Liter Inhalt.
Zwei Dinge fehlen in fast jedem Kinderkarton und erleichtern die Arbeit. Ein Stapel Löschpapier oder Küchenpapier, in kleine Streifen geschnitten, zum Absaugen von Wasser. Und ein wasserfester Stift, mit dem Objektträger und Probengefäße beschriftet werden; Kosmos verlangt ihn für mehrere Versuche, weil sich zwei Präparate sonst nach zehn Minuten nicht mehr auseinanderhalten lassen.
Für die Sicherheit nennen die Anleitungen Altersgrenzen und Kleinteile. Nicht geeignet für Kinder unter 3 Jahren ist das Set nach Kosmos, Clementoni will es außerhalb der Reichweite von Kindern unter 3 Jahren aufbewahrt wissen und nennt es nur für Kinder ab 8 Jahren geeignet, die Anleitung des Bresser Junior für Kinder von mindestens 6 Jahren. Beim Experimentieren sind nach Kosmos kleine Kinder und Tiere fernzuhalten; manche Untersuchungsobjekte wie Efeu oder Tulpe könnten schwach giftig sein, deshalb gehören sie nicht an Mund und Schleimhäute, und nach den Versuchen werden die Hände gewaschen.
Die ersten zehn Präparate: Material, Zeit, Gerät
Die Tabelle ordnet zehn Präparate nach Schwierigkeit. Die ersten drei gelingen ohne Schneiden und mit jedem Gerät, auch mit einem Handgerät, das nur von oben leuchtet. Ab der Zwiebelhaut braucht es Licht von unten, also ein Durchlichtmikroskop. Am Ende steht, was Tage braucht.
| Präparat | Material | Zeit | Gerät | Anleitung |
|---|---|---|---|---|
| Zeitungsdruck | Zeitung, Wasser | Minuten | alle | Clementoni |
| Haare und Fasern | Haar, Wolle, Baumwolle | Minuten | alle | Kosmos, Clementoni |
| Salz und Zucker | Körner aus der Küche | Minuten | alle | Clementoni |
| Zwiebelhaut | Zwiebel, Klinge | Minuten | Durchlicht | Kosmos, Clementoni |
| Rote Zwiebel mit Salz | 1 TL Salz, Zitrone, Natron | Minuten | Durchlicht | Clementoni |
| Wasserpest, Moos | ein Blättchen | Minuten | Durchlicht | Kosmos, Bresser |
| Kartoffelstärke | halbe Kartoffel | Minuten | Durchlicht | Clementoni |
| Mundschleimhaut | Wattestäbchen | Minuten | Durchlicht | Kosmos, Clementoni |
| Pollen | Blüte oder Honig | Minuten bis Stunden | Durchlicht | Kosmos, Clementoni |
| Teichwasser, Heuaufguss | Glas, Heu, Teichwasser | Tage bis Wochen | Durchlicht | Kosmos, Bresser |
Die Reihenfolge folgt einer einfachen Überlegung. Am Anfang soll das Kind lernen, das Bild zu finden und scharf zu stellen, ohne gleichzeitig mit einem schwierigen Präparat zu kämpfen. Zeitungsdruck, ein Haar und ein Salzkorn sind dafür ideal, weil sie auch bei kleiner Stufe sofort etwas zeigen. Die Zwiebelhaut ist das erste echte Präparat, und es lohnt, sie zweimal zu machen, einmal mit gelber und einmal mit roter Zwiebel.
Mit der Mundschleimhaut sieht das Kind den Unterschied zu den Zwiebelzellen: Tierische Zellen haben keine Zellwand, wie Kosmos ausdrücklich erklärt. Teichwasser und Heuaufguss stehen am Schluss, weil sie Geduld brauchen und die meiste Hygiene. Dafür zeigen sie, was sich bewegt.
Zwiebelhaut: das erste echte Präparat
Kosmos beschreibt die Zwiebelhaut als ein Präparat, das man selbst herstellen kann, und listet das Material: einen Objektträger, eine Deckfolie, Pipette, Pinzette, Löschpapier, Wasser, eine Rasierklinge, Gewebeband und eine halbe Zwiebel. Zuerst kommt ein Tropfen Wasser in die Mitte des Objektträgers. Dann ritzt man mit der Klinge ein Kästchenmuster in die Haut einer Zwiebelschuppe, zieht eines der Kästchen mit der Pinzette ab und legt es in den Tropfen.
Die Haut, um die es geht, ist das dünne, silbrig glänzende Häutchen zwischen den Schichten der Zwiebel, wie Bresser es nennt. Kosmos erklärt, sie bestehe aus nur einer einzigen Zellschicht; deshalb geht Licht hindurch, ohne dass man schneiden muss. Clementoni beschreibt denselben Schritt ohne Klinge: eine dünne Schicht der durchsichtigen Epidermis vom gewölbten Teil eines Zwiebelblatts ablösen und mit der Pinzette auf den Objektträger legen.
Unter dem Mikroskop sieht das Kind längliche Zellen, die wie Ziegel in einer Mauer aneinanderliegen. Kosmos nennt, was dazugehört: eine feste Zellwand, Zellsaft und in jeder Zelle ein großer runder Zellkern. Bei Küchenzwiebeln erscheinen die Zellbestandteile farblos bis leicht gelblich, bei roten Zwiebeln sind Zellwand und Zellsaft durch den natürlichen Farbstoff rotviolett gefärbt. Clementoni empfiehlt deshalb die rote Zwiebel als zweiten Versuch, weil die Zellen dort besser zu sehen sind.
Wer mehr erkennen will, färbt. Kosmos rät zu einem Tropfen blauer oder roter Tinte, der unter die Deckfolie gezogen wird; nach einigen Minuten zieht man sauberes Wasser nach. Bresser schreibt im Einsteiger-Ratgeber, Zellkerne seien mit blauer Füllertinte leicht anzufärben. Mehr dazu steht weiter unten im Abschnitt über das Färben.
Rote Zwiebel mit Salz, Zitrone und Natron
Mehr als hübsch aussehen kann die rote Zwiebel. Clementoni beschreibt zwei Versuche, in denen sich vor den Augen des Kindes etwas verändert, ohne dass ein Laborstoff nötig wäre. Für den ersten wird ein Teelöffel Kochsalz in einem Reagenzglas mit etwas Wasser gelöst. Zwei Tropfen dieser Lösung gibt man an den Rand des Deckglases und saugt sie mit einem Stück Filterpapier von der anderen Seite unter das Präparat.
Was dann passiert, nennt Clementoni Plasmolyse: Die Pflanzenzelle verliert im Salzwasser Wasser und schrumpft wie ein Ballon mit einem Loch. Weil die Zellwand fest ist, löst sich die Zellmembran von ihr ab, und im Mikroskop sieht man den farbigen Zellinhalt sich von den Wänden zurückziehen. Mit der rotgefärbten Zwiebel ist das besonders deutlich, weil der Inhalt farbig ist und die Wand nicht.
Der zweite Versuch spielt mit dem Farbstoff. Clementoni lässt zwei Tropfen Zitronensaft unter das Deckglas ziehen und danach zwei Tropfen einer Lösung aus Natron, also Natriumbikarbonat, in Wasser. Die Zellen wechseln die Farbe von violett und rot zu blau. Der Grund nach Clementoni: Die Farbe des Anthocyans, das die Zellen färbt, hängt vom Säuregrad ab. Dasselbe soll mit einem Blatt Radicchio gelingen.
Beide Versuche brauchen nur Dinge aus der Küche, dauern wenige Minuten und zeigen, dass ein Präparat nicht nur ein Bild ist, sondern etwas, mit dem sich experimentieren lässt. Sie eignen sich gut als zweiter oder dritter Nachmittag am Mikroskop, wenn das Kind die Zwiebelhaut sicher beherrscht.
Wasserpest, Moos und Blatthäute: Präparate ohne Schneiden
Manche Pflanzen sind schon von Natur aus dünn genug. Kosmos nennt die Wasserpest, eine verbreitete Aquarienpflanze, deren Blättchen nur aus zwei Zellschichten bestehen und deshalb ohne Präparation unter das Mikroskop können. Ein Blättchen kommt mit der Pinzette in einen Wassertropfen und wird abgedeckt. Im Zoohandel heißt die Pflanze nach Kosmos Egeria oder Elodea; wer jemanden mit Aquarium kennt, bekommt einen Zweig geschenkt.
In den Zellen sieht das Kind kleine grüne Körner, die Chloroplasten. Kosmos schreibt, durch das helle Licht der Lampe seien sie ständig in Bewegung. Moos funktioniert ähnlich: Bresser schreibt im Einsteiger-Ratgeber, Moosblättchen bestünden nur aus einer Zellschicht und ließen sich ohne aufwendige Präparation im Wassertropfen beobachten; Clementoni schlägt vor, an einem feuchten, schattigen Ort ein Moospflänzchen zu suchen.
Bei anderen Pflanzen zieht man eine dünne Schicht von der Oberfläche ab. Kosmos nennt Kohl- oder Salatblätter nahe am Strunk, Stängel von Schnittblumen wie Tulpen oder Gerbera und die Haut der Tomate. Clementoni zeigt an der Tomatenschale rote Punkte, die Chromoplasten, und an der Haut von Stangensellerie oder Fenchel die bohnenförmigen Zellen der Spaltöffnungen. Bresser empfiehlt für Spaltöffnungen die Oberhaut fleischiger Blätter wie Kalanchoe.
Für ältere Kinder lohnen die Haare auf Blättern. Clementoni lässt die Unterseite eines Olivenblatts abkratzen, Bresser nennt die Haare von Thymian, Brennnessel und Kürbis, deren Formen je nach Art sehr verschieden seien. Bei der Brennnessel ist Vorsicht nötig; die Haare heißen nicht umsonst Brennhaare, wie Clementoni anmerkt.
Mundschleimhaut: Zellen aus dem eigenen Mund
Für das Präparat aus dem eigenen Körper braucht es nur ein Wattestäbchen. Kosmos beschreibt den Versuch so: einen Tropfen Wasser in die Mitte eines Objektträgers geben, mit dem Wattestäbchen mit ein wenig Druck an der Innenseite der Wange reiben, das Stäbchen in den Tropfen tauchen und mit einer Deckfolie abdecken. Als Alternative zum Wattestäbchen nennt Clementoni einen Eisstiel.
Durch das Reiben lösen sich nach Kosmos einzelne Zellen aus der Mundschleimhaut. Unter dem Mikroskop liegen sie teils einzeln, teils in Gruppen. Clementoni beschreibt sie als rund statt länglich, mit dem Kern in der Mitte, und weist darauf hin, dass ihre Grenzen schwer zu erkennen sind, weil tierische Zellen keine feste Wand haben. Kosmos greift genau diesen Unterschied auf: Wer die Zwiebelzellen gesehen hat, vermisst bei den eigenen Zellen die Zellwand, und das zu Recht.
Daraus macht Kosmos einen Vergleich. Ein Erwachsener gibt als zweite Probe eine eigene Zelle ab, und das Kind prüft, ob die Zellen des großen Menschen größer sind als seine eigenen. Für den Vergleich braucht es zwei Objektträger, zwei Wattestäbchen und einen wasserfesten Stift, um die Objektträger zu beschriften. Jede Person benutzt ihr eigenes Stäbchen.
Ein Hinweis aus derselben Anleitung ordnet ein, was das Kind da tut: Auf diese Weise würden auch Zellproben entnommen, um etwa Kriminalfälle zu lösen oder Stammzellspender zu finden; dafür seien aber weitreichendere Untersuchungen nötig als ein Blick durch das Mikroskop. Nach dem Versuch kommen Wattestäbchen in den Müll und die Objektträger ins Spülwasser.
Wie verschieden Zellen sein können, zeigt Kosmos am anderen Ende der Skala: Die Eizelle des Vogels Strauß messe 15 cm in der Länge, solche Zellgiganten seien aber absolute Ausnahmen. Am unteren Ende steht die Bakterienzelle mit 0,001 mm, die bei 400-fach nur 0,4 mm groß erschiene, also als Punkt; das ist unsere Rechnung. Die Zellen der Mundschleimhaut liegen dazwischen und sind mit dem 40er-Objektiv gut zu sehen.
Haare, Fasern und Zeitungsdruck: Präparate für die kleinste Stufe
Haare und Stofffasern sind die dankbarsten Objekte für den Anfang. Kosmos baut daraus ein Detektivspiel: Haare und Fäden aus dem Haus sammeln, beschriftet in kleine Tüten stecken, auf Objektträger in einen Wassertropfen legen, abdecken und zuerst mit dem kleinsten Objektiv ansehen, danach mit der mittleren und der höchsten Stufe. Mit etwas Übung lasse sich Baumwolle von Seide unterscheiden und das Haar verschiedener Lebewesen erkennen.
Clementoni widmet dem Thema ein eigenes Kapitel mit Wolle, synthetischen Fasern, Baumwolle, einem menschlichen Haar und Katzenhaar; für das Katzenhaar genüge es, die Katze ein bisschen zu streicheln. Am menschlichen Haar zeigt Clementoni die Verdickung an der Wurzel, die Haarzwiebel. Bresser schreibt im Einsteiger-Ratgeber, beim Vergleich von Menschen- und Tierhaar seien die Unterschiede in der Schuppenschicht und im Mark oft eklatant.
Zeitungsdruck ist das Objekt, mit dem die Anleitung des National-Geographic-Geräts ihre Versuche beginnt, und auch Clementoni nimmt ein Stück Zeitung als Beispiel für das Frischpräparat. Bei kleiner Vergrößerung zerfällt ein Bild in Punkte, ein Buchstabe in ausgefranste Kanten. Das zeigt dem Kind sofort, was ein Mikroskop kann, und es braucht dafür weder Klinge noch Geduld.
Die Anleitung des National-Geographic-Geräts macht daraus einen Vergleich: ein Stückchen Tageszeitung mit einem Teil eines Bildes und einigen Buchstaben, daneben ein ähnliches Stück aus einer Illustrierten. Unter der kleinsten Stufe sehen die Buchstaben der Tageszeitung zerfranst und gebrochen aus, weil sie auf rauem, minderwertigerem Papier gedruckt wird; die der Illustrierten erscheinen glatter und vollständiger. Auch die Rasterpunkte der Bilder unterscheiden sich: In der Zeitung wirken sie etwas schmutzig, in der Illustrierten zeichnen sie sich scharf ab.
Für diese Objekte genügt jedes Gerät. Ein Handgerät mit Bildschirm, das nur von oben leuchtet, zeigt Fasern und Druck ebenso wie ein Schülermikroskop. Wer den Unterschied zwischen einem Wollfaden und einer Kunstfaser sehen will, nimmt das Durchlichtmikroskop, weil das Licht dann durch die Faser fällt und ihre innere Struktur zeigt.
Wie fein ein Haar ist, rechnet Kosmos auf eine anschauliche Weise vor: Eine Bakterienzelle sei nur einen tausendstel Millimeter groß, und etwa siebzig davon nebeneinander seien so dick wie ein Haar. Das ergibt rund 0,07 mm, eine Zahl, die sich am Mikroskop prüfen lässt. Bei 40-fach erscheint ein solches Haar wie ein Strich von 2,8 mm, bei 100-fach wie einer von 7 mm, beides unsere Rechnung aus der Angabe von Kosmos. Die Anleitung des National-Geographic-Geräts beschreibt dazu, wie die Fasern aussehen: Baumwolle wie ein flaches, gedrehtes Band, Seide wie ein kleiner Glasstab, Wolle mit sich überlappenden Hülsen, Leinen rund und gerade mit zahllosen Schwellungen, Kunstseide mit harten, dunklen Linien auf glatter Oberfläche. Dafür wird jeder Faden mit zwei Nadeln aufgefasert, angefeuchtet und mit einem Deckglas abgedeckt.
Salz, Zucker, Sand und Kristalle
Körner aus der Küche sind Trockenobjekte: Sie kommen ohne Wasser und ohne Abdeckung auf den Objektträger. Clementoni lässt Salzkörner aus dem Salzstreuer, Zuckerkörner, Kakaopulver und Talkumpuder ansehen und schreibt dazu, winzige Staub- und Sandkörner sähen unter dem Mikroskop aus wie riesige Felsbrocken. Am besten passt dafür die kleinste Stufe.
Sand bekommt bei Clementoni eine eigene Frage: Wie alt ist er? Körner mit scharfen Kanten stammen nach der Anleitung von jungen Stränden oder aus kurzen Flüssen, abgerundete Körner von alten Stränden oder aus sehr langen Flüssen, weil die Erosion sie mit der Zeit abgenutzt habe. Wer vom Urlaub eine Handvoll Sand mitbringt, hat damit ein Präparat für einen ganzen Nachmittag.
Kristalle lassen sich selbst züchten. Clementoni beschreibt den Versuch: drei Teelöffel Kochsalz in einem Becher mit etwas Wasser lösen, einen Faden an einem Zahnstocher in die Lösung hängen und das Wasser einige Tage verdunsten lassen. Am Faden und im Becher bilden sich Kristalle; die größeren schaut man mit der Lupe an, die kleineren als Trockenobjekt unter dem Mikroskop. Bresser schlägt im Einsteiger-Ratgeber vor, Salz oder Zucker in Wasser zu lösen und direkt auf dem Objektträger rekristallisieren zu lassen.
Ein Sonderfall sind Eiskristalle. Clementoni lässt einen Tropfen Leitungswasser unter einem Deckplättchen einige Stunden im Gefrierschrank liegen und warnt, die Kristalle dürften dann nicht nass werden. Wenn Kristalle im Glas trotz aller Geduld nicht wachsen, hilft was hilft, wenn Kristalle im Glas nicht wachsen.
Kartoffelstärke, Hefe und Schimmel
Stärkekörner sind ein Präparat, das fast von selbst gelingt. Clementoni beschreibt es: eine Kartoffel halbieren, wobei ein Erwachsener helfen soll, mit der Pinzette etwas Material aus der Mitte kratzen und das breiige Stückchen als Frischpräparat ansehen. Die Stärkekörner haben nach Clementoni je nach Pflanze unterschiedliche Formen; die Anleitung zeigt Weizen, Mais, Roggen, Reis, Gerste und Kartoffel nebeneinander.
Hefe braucht einen Tag Vorlauf. Clementoni lässt ein paar Körner Trockenhefe mit Wasser und etwas Zucker in einen Teil der Petrischale geben. Am nächsten Tag sind Bläschen in der Lösung zu sehen; die Hefe ist wieder aktiv und verbraucht den Zucker. Ein paar Tropfen davon kommen auf den Objektträger, und unter dem Mikroskop erscheinen elliptische Zellen, Pilze aus einer einzigen Zelle. Ist das Wasser zu trüb, verdünnt man nach Clementoni mit etwas Wasser.
Schimmel braucht ein paar Tage. Clementoni lässt eine angefeuchtete Scheibe Brot, ein Stück Käse und eine Orangenschale mit Druckstelle an der Luft liegen, legt sie mit etwas Wasser in die Fächer einer Petrischale, schließt den Deckel und wartet. Danach nimmt man weiße, schwarze, blaue oder grünliche Flecken mit dem Spatel auf und sieht Hyphen und Sporen.
Bei diesem Versuch gelten zwei Regeln aus derselben Anleitung. Der Deckel der Petrischale bleibt geschlossen, solange die Kultur wächst. Und nach den Experimenten sind die verwendeten Lebensmittel zu entsorgen, wie Clementoni gleich zu Beginn des Hefts schreibt. Gegessen wird davon nichts, und nach dem Mikroskopieren werden die Hände gewaschen.
Pollen aus Blüte, Kiefer und Honig
Pollen lassen sich auf drei Wegen gewinnen. Clementoni lässt bei einer Blüte die Staubbeutel öffnen und etwas Pollen entnehmen, und bei einer Kiefer die männlichen Zapfen direkt über dem Objektträger schütteln, bis gelbes Pulver darauf fällt. Kosmos holt die Pollen aus dem Glas: einen halben Teelöffel Honig in etwas Wasser lösen, mit der Pipette eine Probe von der Oberfläche und eine vom Boden nehmen, auf zwei Objektträger tropfen und abdecken.
Der Honig-Versuch hat einen Vorteil im Winter, wenn nichts blüht. Kosmos nennt Blüten- oder Tannenhonig in einfacher Qualität aus dem Supermarkt. Bresser schlägt für die kalte Jahreszeit Pollengranulat aus dem Reformhaus vor, die sogenannten Pollenhöschen.
Clementoni ergänzt einen Versuch, der Stunden dauert und etwas Lebendiges zeigt: eine Lösung aus Wasser und einem Esslöffel Zucker in einen Teil der Petrischale geben, ein paar Blütenstaubkörner darüberstreuen und nach ein paar Stunden einen Tropfen ansehen. Einige Körner sind dann gekeimt und haben Pollenschläuche gebildet. Für ein Kind ist das der Moment, in dem aus einem Staubkorn ein Lebewesen wird.
Wer unter Heuschnupfen leidet, sollte bei diesem Präparat vorsichtig sein. Dass der Pollen mancher verbreiteter Pflanzen Heuschnupfen auslöst, merkt Clementoni eigens an. Honigpollen oder ein geschlossenes Glas mit gesammelten Pollen sind dann die bessere Wahl als das Schütteln eines Kiefernzapfens.
Wie groß Pollenkörner sind, steht bei Kosmos: meist 10 bis 100 Mikrometer, also 0,01 bis 0,1 mm. Bei 100-fach erscheinen sie damit zwischen 1 mm und 10 mm groß, bei 400-fach zwischen 4 mm und 40 mm; das ist unsere Rechnung aus der Angabe der Anleitung. Für die kleinen lohnt also das 40er-Objektiv, die großen sind schon bei kleiner Stufe gut zu erkennen.
Schneiden ohne Schnittwunden: Klinge, Korken, Styropor
Viele Objekte sind zu dick für das Licht und müssen in Scheiben geschnitten werden. Kosmos nimmt dafür eine gewöhnliche Rasierklinge aus Drogerie oder Supermarkt, verlangt aber, sie vorher auf einer Seite unschädlich zu machen. Zwei Methoden beschreibt die Anleitung: mehrere Streifen festes Gewebeband über die Schneide der einen Seite kleben, oder einen Flaschenkorken der Länge nach einschneiden und die Klinge hineinstecken, sodass sie sich am Korken halten lässt.
Für dünne, biegsame Objekte hat Kosmos einen Trick: einen Styroporwürfel von oben einschlitzen, das Objekt, etwa einen Grashalm, ein Wurzelstück oder eine Kiefernnadel, gerade in den Schlitz stecken und die Klinge quer durch Styropor und Objekt ziehen. Gleich mehrere Schnitte machen, denn so steigt die Chance, einen ideal dünnen zu erwischen. Ob ein Schnitt dünn genug ist, erkennt man nach Kosmos erst unter dem Mikroskop.
Bresser beschreibt in der Anleitung des Junior eine Methode mit Wachs: Wachs über einer Kerze in einem Topf erwärmen, das Objekt mehrmals eintauchen, hart werden lassen und mit einem MicroCut oder einem Messer feinste Schnitte abnehmen. Dazu stehen zwei Gefahrenhinweise: heißes Wachs verbrennt, und Messer, Skalpell und MicroCut bergen durch ihre scharfen Kanten ein erhöhtes Verletzungsrisiko.
Für alle drei Methoden gilt, was Kosmos ausdrücklich schreibt: Beim Vorbereiten der Klinge und beim Schneiden hilft eine erwachsene Person. Wie früh Experimentierkästen Kindern Werkzeug wie Lupe und Pipette überlassen, zeigt der Blick auf Experimentierkästen, die schon Sechsjährigen Lupe und Pipette in die Hand geben; bei der Rasierklinge bleibt die Hand eines Erwachsenen dabei.
Färben ohne Labor: Tinte, Zitrone, Natron
Viele Zellen sind fast durchsichtig, und Färben macht ihre Teile sichtbar. Die Anleitungen der Kindermikroskope kommen dafür ohne Laborchemikalien aus. Kosmos nimmt einen Tropfen blauer oder roter Tinte, zieht ihn unter das Deckglas, wartet einige Minuten und zieht danach wieder sauberes Wasser nach. Erst dann wird das eingefärbte Präparat untersucht.
Das Unterziehen ist derselbe Handgriff wie gegen Luftblasen. Ein Tropfen kommt mit der Pipette an den Rand des Deckglases, an die gegenüberliegende Kante hält man ein Stück Löschpapier oder Filterpapier. Das Papier saugt Wasser ab, und die Flüssigkeit vom anderen Rand wird unter dem Deckglas hindurchgezogen. Clementoni beschreibt denselben Weg für Salzwasser, Zitronensaft und Natronlösung.
Bresser empfiehlt für Zellkerne blaue Füllertinte; bei der Zwiebelhaut seien sie damit leicht anzufärben. Clementoni zeigt mit der roten Zwiebel die Färbung ohne Farbstoff: Der Zellsaft wechselt mit Zitronensaft und Natron die Farbe, weil das Anthocyan auf den Säuregrad reagiert. Beides ist ungefährlich und lässt sich mit Wasser abwaschen.
Anders liegt der Fall bei Stoffen, die Sets selbst beilegen. Die Anleitung des National-Geographic-Geräts warnt, die mitgelieferten Chemikalien und Flüssigkeiten gehörten nicht in Kinderhände. Was mit solchen Resten passiert, wenn der Kasten ausgedient hat, beschreibt wie man Reste aus Experimentierkästen richtig entsorgt.
Teichwasser und Blaualgen: was das Landesamt rät
Teichwasser ist das Präparat, auf das sich viele Kinder am meisten freuen, weil sich darin etwas bewegt. Kosmos nennt als Jagdgebiete grünlich schimmernde Tümpel, Teichufer, Regentonnen, Pfützen und Pflanzenuntersetzer; den Belag von Steinen, die schon länger im Wasser liegen, könne man mit der Präpariernadel abschaben. Je farbiger das Wasser sei, desto mehr Mikroorganismen finde man, schreibt Clementoni.
Hier lohnt ein Blick in eine Behördenquelle. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit schreibt, Cyanobakterien, umgangssprachlich Blaualgen, seien Teil der natürlichen Lebensgemeinschaft in Gewässern und stellten normalerweise keine Gefahr dar. Unter bestimmten Bedingungen, besonders im Sommer, könne es aber zu Massenvorkommen kommen, und manche Arten bildeten Giftstoffe.
Erkennbar sind solche Massenvorkommen nach dem Landesamt an einer starken Trübung und an bläulich oder grün schimmernden, schlieren- oder rahmartigen Teppichen an der Oberfläche oder am Ufer. Vor allem auf Kleinkinder solle man achten: Sie sollen von solchen Ansammlungen ferngehalten werden und kein stark getrübtes Wasser, kein Blütenmaterial und keine Wasserpflanzen in den Mund nehmen. Bei empfindlichen Personen könne äußerer Kontakt in Einzelfällen Haut und Schleimhäute reizen.
Für die Probe heißt das: Wasser vom Rand nehmen, wo kein Teppich treibt, mit Pipette und Probengefäß statt mit der Hand schöpfen, und nach dem Mikroskopieren die Hände waschen, wie es auch Kosmos verlangt. Trübes Wasser lässt man nach Kosmos eine Weile ruhig stehen, bis Sand und Schlick sich absetzen; danach sind die Freischwimmer besser zu sehen und mit der Pipette aufzunehmen.
Manche Bewohner sieht man schon ohne Mikroskop. Als Räuber im Tümpel beschreibt Kosmos den Süßwasserpolypen Hydra, der bis zu 2,5 cm groß werden kann und mit giftigen Harpunen nach seiner Beute schießt; seine Beutetiere dagegen zeige erst das Mikroskop. Wasserflöhe und Kugelalgen erkennt man nach Kosmos schon mit bloßem Auge in der Probe. Deshalb rät Kosmos, jede Wasserprobe zuerst ohne Gerät anzusehen und eine trübe Probe eine Weile stehen zu lassen, bis sich Sand und Schlick abgesetzt haben; danach lassen sich die Freischwimmer mit der Pipette einsaugen.
Heuaufguss: ein Glas, eine Handvoll Heu, einige Tage
Wenn draußen Winter ist und Teiche zugefroren sind, schlägt Bresser einen Heuaufguss vor. Im Heu und auf anderen trockenen Pflanzenresten überdauern nach Bresser Dauerstadien von Bakterien, Algen, anderen Einzellern sowie Räder- und Bärtierchen; im Wasser erwachen sie nach einigen Tagen wieder zum Leben. Für den Ansatz kommt eine kleine Handvoll Heu oder trockene Pflanzenreste wie Laub oder Moos in ein Glas mit etwa 1 Liter Inhalt, darauf etwa 500 ml Wasser.
Das Glas wird nach Bresser locker abgedeckt, etwa mit Küchenpapier und einem Gummiband, und an einen warmen, hellen Platz gestellt, mindestens bei Raumtemperatur, aber ohne direkte Sonne. Nach wenigen Tagen bildet sich an der Oberfläche eine Kahmhaut aus Bakterien. Weil Bakterien vielen Einzellern als Nahrung dienen, vermehren sich einige Tage später Wimpertierchen, Amöben und Sonnentierchen, danach räuberische Arten. Der Ansatz kann zu stinken beginnen, vor allem bei zu viel Heu; das sollte man bei der Wahl des Platzes bedenken.
Ein Befund aus dem Bresser-Ratgeber erspart Enttäuschungen. Pantoffeltierchen bilden keine Dauerstadien; mit Leitungs- oder Mineralwasser entstehen sie im Heuaufguss deshalb nicht. Das Wasser muss aus einem Gewässer oder einem Aquarium stammen. Wer länger beobachten will, füllt verdunstetes Wasser mit destilliertem Wasser oder Regenwasser nach.
Bresser schreibt auch, was beim Heuaufguss zu beachten ist: Im Ansatz könnten sich krankmachende Organismen vermehren, deshalb sei auf Hygiene zu achten, etwa gründliches Händewaschen nach dem Mikroskopieren. Wird der Ansatz nicht mehr gebraucht, soll er entsorgt und alle Gefäße und Werkzeuge mit heißem Wasser gereinigt werden.
Fangstation im Teich und Milben aus dem Staubsauger
Kosmos beschreibt zwei Versuche, die sich über Tage oder Wochen ziehen. Für die biologische Fangstation werden zwei Flaschenkorken der Länge nach durchbohrt und auf eine Schnur gefädelt. In Schlitze im oberen Korken kommen zwei Objektträger waagerecht, in den unteren zwei senkrecht. Ein Stück Styropor dient als Schwimmer, ein mit Sand gefüllter Beutel als Anker. Die Station kommt in einen Teich und wird nach etwa 1 bis 2 Wochen in einem Eimer mit Teichwasser nach Hause geholt.
Auf den Objektträgern haben sich dann nach Kosmos sesshafte Lebewesen angesiedelt, die nicht frei schwimmen, sondern auf festem Untergrund wachsen; manche bevorzugen sonnige, waagerechte Plätze, andere die Senkrechte. Vor dem Mikroskopieren reibt man eine Seite des Objektträgers sauber und lässt die andere etwas abtrocknen, bevor die Deckfolie darauf kommt. Beim Bohren und Schlitzen soll ein Erwachsener helfen.
Der zweite Versuch holt Leben aus dem Staubsaugerbeutel. Eine Staubprobe kommt in ein feines Küchensieb und wird über einem weißen Blatt Papier geschüttelt. Hausstaubmilben mögen nach Kosmos keine warme, trockene Luft: Erwärmt man das Blatt mit einer Schreibtischlampe, laufen sie weg und bilden kleine Hügel. Mit der Pinzette kommen sie in einen Wassertropfen und unter das Deckglas; acht Beine verraten im Mikroskop, dass Milben zu den Spinnentieren gehören.
Für Familien mit einer Hausstauballergie ist der Milbenversuch weniger geeignet; Kosmos weist darauf hin, dass die Ausscheidungen der Tiere bei Allergikern Niesattacken oder sogar Atemprobleme auslösen. Die Fangstation dagegen ist ein Sommerprojekt für die ganze Familie, mit dem Teich als Labor.
Urzeitkrebse aus dem Karton: 30 Stunden Wasser, 2 bis 3 Tage Geduld
Mehrere Kindermikroskope bringen Lebewesen in Dosen mit. Bresser legt dem Junior, dem Biolux SEL und dem National-Geographic-Gerät Eier von Urzeitkrebsen bei, der Art Artemia salina. Warum die Eier so lange halten, erklärt die Anleitung zum National-Geographic-Gerät: Die Krebse leben in Gewässern, die salziger sind als das Meer und bei Trockenheit lebensfeindlich werden; dann legen sie hartschalige Wintereier, die über 10 Jahre in ruhendem Zustand überleben und Hitze, Kälte und Chemikalien standhalten.
Zum Ausbrüten füllt man nach derselben Anleitung zwei Behälter mit je 0,5 Liter Süßwasser und lässt sie etwa 30 Stunden stehen. Dann wird die Hälfte des beiliegenden Meersalzes in einem der Gefäße vollständig gelöst, etwas von diesem Wasser kommt in die Lupendose, dazu einige Eier. Hell, aber nicht in der Sonne steht die Dose, bei etwa 25 Grad; verdunstetes Wasser wird aus dem zweiten Gefäß nachgefüllt.
Nach etwa 2 bis 3 Tagen schlüpfen die Larven, die Naupliuslarven heißen. Mit der Pipette kommen einige auf einen Objektträger; im Salzwasser bewegen sie sich mit haarähnlichen Fortsätzen. Die Anleitung schlägt vor, jeden Tag einige Larven anzusehen, um ihr Wachstum zu verfolgen, und erlaubt auch, die ganze Lupendose ohne Kappe auf den Mikroskoptisch zu stellen. Je nach Raumtemperatur sind die Tiere nach 6 bis 10 Wochen ausgewachsen.
Gefüttert wird nach der Anleitung alle 2 Tage mit ein wenig Trockenhefe, und zwar sparsam: Zu viel Futter lässt das Wasser faulen, erkennbar daran, dass es dunkel wird. Dann kommen die Krebse sofort in frische Salzlösung. Unter einem fett gesetzten Vorsicht steht in der Anleitung, dass Eier und Krebse nicht zum Verzehr geeignet sind. Wer das Projekt mit einem jüngeren Geschwisterkind teilt, stellt die Dose deshalb außer Reichweite.
Welches Präparat mit welchem Gerät gelingt
Ein Präparat im Wassertropfen braucht Licht, das von unten hindurchfällt. Die Anleitung des National-Geographic-Geräts erklärt den Unterschied: Bei undurchsichtigen Objekten wird Licht von oben reflektiert, das nennt man Auflichtmikroskopie; bei durchsichtigen Objekten scheint es von unten durch den Tisch und das Objekt, das ist Durchlichtmikroskopie. Zwiebelhaut, Mundschleimhaut, Wasserpest und Teichwasser gehören zur zweiten Gruppe.
Mit einem Schülermikroskop gelingen damit alle zehn Präparate dieser Seite. Welche Geräte das können und wie sich ihre Objektive unterscheiden, steht in den Schülermikroskopen mit Licht von unten, die wir verglichen haben. Für Zellen genügt dort die Stufe mit dem 40er-Objektiv, also 400- bis 600-fach.
Das Video-Mikroskop von VTech ist ein Tischgerät mit Bildschirm. Auf seine Blanko-Objektträger passen nach der Anleitung flache Proben von höchstens 1 Millimeter, wie Stoff, Papier, Zwiebelschicht, Blatt, Haar oder Blütenblatt, auf den zweiten bis 5 Millimeter, etwa Baumrinde, Krümel oder Eierschale. Für Gegenstände bis 40 Millimeter, Nussschalen, Muscheln oder Münzen, gibt es eine Aussparung im Fuß. Von Wasser unter einem Deckglas ist in dieser Anleitung keine Rede.
Handgeräte mit Bildschirm leuchten nur von oben. Haare, Fasern, Zeitungsdruck, Salz, Sand und Insektenteile gelingen damit gut, Zwiebelhaut und Teichwasser kaum. Was diese Geräte zeigen, haben wir in den digitalen Handgeräten, die nur von oben leuchten beschrieben. Bresser nennt für Auflicht noch ein Ziel: Hologramme, Mikrodruck und Sicherheitsfasern auf Banknoten.
Beim VTech-Gerät gibt es eine Eigenheit, die bei langsamen Präparaten auffällt: Der Bildschirm schaltet sich nach der Anleitung nach etwa 3 Minuten ohne Eingabe ab, das ganze Mikroskop nach rund 6 Minuten. Wer lange auf ein Tier im Wassertropfen wartet, muss zwischendurch eine Taste drücken.
Selbsttest in einer Minute: ist das Präparat gelungen?
Vor dem Blick durch das Okular lohnen sechs kurze Prüfungen. Erstens: Liegt das Deckglas flach? Wenn nicht, ist das Objekt nach Kosmos zu dick, und das Bild wird nicht scharf. Zweitens: Steht Wasser über den Rand? Dann mit Löschpapier absaugen, sonst schwimmt das Deckglas und die Unterseite des Objektträgers wird nass. Ausdrücklich verlangt Clementoni, nie nasse oder feuchte Objektträger unter das Mikroskop zu legen.
Drittens: Sind Luftblasen zu sehen? Große Blasen erkennt man schon mit bloßem Auge als silbrige Flecken. Wasser vom Rand nachziehen, wie Kosmos es beschreibt. Viertens: Liegt das Objekt mitten über der Öffnung im Tisch? Kosmos rät, das Präparat genau über die Mitte der Blende zu legen, damit es gut von der Lampe beleuchtet wird.
Fünftens: Ist das kleinste Objektiv eingestellt? Alle Anleitungen beginnen mit der geringsten Vergrößerung; erst wenn das Objekt gefunden und scharf ist, wird gewechselt. Sechstens: Ist der Objektträger beschriftet, wenn mehrere Präparate nebeneinander liegen? Ein wasserfester Stift spart Verwechslungen, etwa beim Vergleich der eigenen Zellen mit denen eines Erwachsenen.
Sieht das Kind trotzdem nichts, gibt Kosmos zwei Hinweise. Ist das Bild unscharf, haben die Linsen noch nicht den richtigen Abstand; dann langsam am Rad in die andere Richtung drehen. Ist gar nichts zu sehen, liegt das Objekt wahrscheinlich nicht unter dem Objektiv; dann den Objektträger vorsichtig verschieben. Im Mikroskop stehe das Bild auf dem Kopf und bewege sich entgegengesetzt zur Hand, ergänzt Clementoni.
Eine Größenskala zum Vergleich druckt Clementoni in die Anleitung: von 1 mm über 100 und 10 Mikrometer bis zu 1 Mikrometer, also in Zehnerschritten, daneben Beispiele wie Rotspinne, Pollen und Tierzelle. Wer sie neben das Mikroskop legt, kann abschätzen, wie groß das ist, was er gerade sieht, und ob ein Präparat die Stufe braucht, die gerade eingestellt ist.
Aufbewahren: Probengefäß, Petrischale, Dauerpräparat
Frische Proben halten sich nicht lange. Kosmos nennt das Probengefäß den perfekten Transportbehälter für Wasserproben und rät, Proben in der Petrischale aufzubewahren. Clementoni liefert einen Halter für Reagenzgläser, in denen Proben bis zur Betrachtung stehen können. Für Haare und Fäden nimmt Kosmos kleine, wiederverschließbare Plastiktüten, jede mit einem Namen beschriftet.
Wer ein Präparat länger behalten will, macht ein Dauerpräparat. Die Anleitung des National-Geographic-Geräts beschreibt den Weg mit dem beiliegenden Gum-Media: Es wird anstelle des destillierten Wassers auf das Objekt gegeben und härtet aus, sodass das Objekt dauerhaft auf dem Objektträger bleibt. Weil dieselbe Anleitung vor den mitgelieferten Chemikalien warnt, ist das eine Aufgabe für Erwachsene.
Ohne Einschlussmittel hilft ein Trick aus dem Einsteiger-Ratgeber von Bresser: die Ecken des Deckglases mit Nagellack sichern. Das hält Moosblättchen und andere flache Objekte in Position, und das Präparat lässt sich zwischen zwei Nachmittagen aufheben. Wasser verdunstet trotzdem mit der Zeit; für länger eignet sich das Einschlussmittel.
Fertige Dauerpräparate aus dem Karton gehören in die Box, in der sie geliefert wurden. Bresser liefert sie beim Junior und beim Biolux mit, Kosmos ein Präparat der Zwiebelhaut. Kosmos rät, sie beim Probenvergleich immer schnell dazuzuholen: Wer eine selbst gemachte Zwiebelhaut neben die fertige legt, sieht sofort, ob sein Schnitt gelungen ist.
Reinigen: Spülmittel, weiches Tuch, heißes Wasser
Nach jedem Nachmittag am Mikroskop wird gespült. Clementoni beschreibt es genau: die benutzten Objektträger in eine kleine Schüssel mit etwas Wasser und einem Tropfen Spülmittel tauchen, abwaschen und danach mit einem weichen Tuch gut abtrocknen. Kosmos schreibt am Ende des Honigversuchs, Pipette, Objektträger, Deckfolien, Wasserglas und Löffel gründlich mit etwas Spülmittel zu reinigen und auf einem Küchentuch trocknen zu lassen.
Deckfolien und Objektträger aus Kunststoff verkratzen leichter als Glas. Mit einem weichen Tuch und ohne Scheuermittel halten sie länger. Gläserne Deckgläser sind dünn und brechen leicht; beim Abtrocknen hält man sie an den Kanten. Für Glasplättchen aus einem Set warnt eine Rezension unter einem Digitalgerät, die Plättchen bestünden aus echtem Glas, man solle sie vorsichtig aus der Box nehmen.
Für den Heuaufguss gilt eine strengere Regel. Bresser rät, den Ansatz zu entsorgen, wenn er nicht mehr gebraucht wird, und alle Gefäße und Werkzeuge mit heißem Wasser zu reinigen. Dasselbe ist bei Schimmelkulturen und Teichproben sinnvoll; nach Kosmos werden ohnehin nach allen Versuchen die Hände gewaschen.
Das Mikroskop selbst bekommt nach dem Spülen eine Abdeckung. Clementoni nennt Staub einen der größten Feinde des Geräts und rät, die Linsen nur mit einem Linsentuch zu reinigen und nie mit den Fingern zu berühren. Vor Putzmitteln am Mikroskop warnt Kosmos, weil sie einzelne Teile angreifen könnten.
Zeitplan: von 5 Minuten bis 10 Wochen
Die Präparate brauchen sehr verschieden lange, und die Anleitungen nennen die Zeiten selbst. In wenigen Minuten gelingen Haare, Fasern, Zeitungsdruck, Salz, Zucker, Zwiebelhaut, Mundschleimhaut, Kartoffelstärke und Wasserpest. Beim Färben mit Tinte kommen nach Kosmos einige Minuten Wartezeit dazu, bevor sauberes Wasser nachgezogen wird.
Einige Stunden brauchen die keimenden Pollen in Zuckerlösung und die Eiskristalle im Gefrierschrank, beides nach Clementoni. Über Nacht liegt ein Pilzhut auf einem Blatt Papier, bis sich am Morgen ein Abdruck aus Sporen zeigt. Nach 1 Tag zeigt die Hefe in Zuckerwasser Bläschen, und die Eier der Urzeitkrebse brauchen 2 bis 3 Tage bis zur Larve.
Einige Tage dauern die Schimmelkultur, die Salzkristalle am Faden und der Heuaufguss, bei dem sich nach Bresser nach wenigen Tagen die Kahmhaut bildet und einige Tage später die Einzeller folgen. Am längsten braucht die Fangstation von Kosmos mit 1 bis 2 Wochen im Teich, wenn man die Urzeitkrebse nicht mitzählt, die nach der National-Geographic-Anleitung 6 bis 10 Wochen bis zum ausgewachsenen Tier brauchen.
Wer mit einem Kind einen Plan macht, mischt kurze und lange Präparate: am Samstag Zwiebelhaut und Haare, dabei den Heuaufguss ansetzen, am Mittwoch die ersten Einzeller ansehen. Was bei welcher Vergrößerung sichtbar wird, von Zellen bis zu Bakterien, steht in der Rechnung, was bei welcher Vergrößerung sichtbar wird. Für die Jahrgangsstufe 5 der Realschule beschreibt der bayerische Lehrplan genau diesen Weg: einfache Präparate mit Objektträgern und Deckgläschen herstellen, um Zellen zu mikroskopieren.
Ein Beispiel für zwei Wochen: Am ersten Samstag Haare, Fasern, Zeitung und Salz, dazu den Heuaufguss und die 2 Gefäße für die Urzeitkrebse ansetzen. Nach 30 Stunden das Salzwasser für die Eier mischen, nach 2 bis 3 weiteren Tagen die ersten Larven ansehen. Am zweiten Samstag Zwiebelhaut, Mundschleimhaut und Kartoffelstärke, dazu den ersten Tropfen aus dem Heuaufguss. Wer im Sommer einen Teich in der Nähe hat, hängt am selben Tag die Fangstation hinein und holt sie nach 1 bis 2 Wochen wieder heraus.
Was diese Anleitung nicht abdeckt